Otomo Praxis

— von Christopher Curtis (Übers.: Olaf T. Schubert) —

Maui Shunshinkan Dojo auf Zoom, 24. Mai 2020

Guten Morgen euch allen. Onegai shimasu.

Heute Morgen lese ich zu Beginn das Shokushu Nummer 4, „Die Vereinigung von Geist und Körper.”

„Geist und Körper sind tatsächlich eins. Klage nicht über Kraftlosigkeit, in dem Denken dass all deine Kraft nur das wäre was du für gewöhnlich erfährst. Wenn wir unseren Geist und Körper als Einheit nutzen und uns dem Universum anvertrauen, dann können wir die wahre Macht des Menschseins erfahren.“

Heute Morgen, Leute, dachte ich sage ich etwas über Otomo. Tatsächlich bin ich gerade dabei ein neues Buch fertigzustellen, und dieses Buch hat den Titel „Der Otomo.” Schon in den späten 90ern und frühen 2000ern fragte mich Suzuki Sensei mehrmals, ob ich nicht in Betracht ziehen würde mal etwas nieder zu schreiben über diesen Prozess Otomo zu sein. Otomo, wie ihr wahrscheinlich wisst, ist die Praxis den Lehrer zu unterstützen, und ich werde noch mehr erläutern was dieses Unterstützen bedeutet. Natürlich ist es das worüber es im Buch im Wesentlichen geht.

Aber ich sage mal aufgrund der Tradition aus der ich komme – Koichi Tohei Sensei, Shinichi Suzuki Sensei, ich – und weil Suzuki Sensei mit Tohei Sensei Otomo praktiziert hat und Tohei Sensei mit O Sensei Otomo praktiziert hat, dachte Suzuki Sensei dass es dann auch in meinem Training wichtig wäre mir zu erlauben Otomo zu praktizieren.

Die meisten Lehrer im Aikido, tatsächlich die meisten Schulen im Aikido, haben diese Praxis nicht. Es gibt nur sehr wenige Menschen die die Möglichkeit haben Otomo zu praktizieren, da man nur einem Lehrer Otomo praktizieren kann der es auch selbst versteht. Und von den wenigen, die die Möglichkeit hatten Otomo zu praktizieren, sind es noch weniger, ich muss es so sagen, die erkannt haben, dass Otomo keine Technik oder Praxis ist, an sich, sondern dass es vielmehr eine Art mit anderen Menschen zu sein ist, die man durch die Praxis von Otomo lernt. Das ist der Sinn davon. Der Sinn ist nicht nur, sich um irgendeinen Kerl zu kümmern der erfahrener ist als du.

Zum Beispiel, wenn du ein Treffen mit dem Lehrer hast und du praktizierst Otomo, sagen wir mal, das erste was passiert wenn du morgens aufwachst ist, dass du anfängst dich einzustimmen in das was an diesem Tag ansteht. Natürlich wirst du über technische Aspekte nachdenken, worum es auch immer in eurem Treffen geht; vielleicht geht ihr zu einer Demonstration, vielleicht unterrichtet er an diesem Tag ein Seminar, vielleicht unterrichtet er nur eine Stunde, oder du machst mit ihm etwas ganz anderes. Aber was immer es ist, du wirst dich um den Transport kümmern müssen, du wirst mit den anderen beteiligten Personen umgehen müssen, du wirst dich um seinen Gi, sein Hakama, um all die Dinge kümmern müssen, die er eventuell benötigt für das was er zu tun hat. Du musst also sicherstellen, dass all dies bereit liegt, sauber und geordnet. Also stehst du früh am Morgen auf und stellst sicher, dass alles da und bereit ist. Aber viel wichtiger ist, dass du dich einstimmst, denn das ist für uns nicht normal, so selbstlos zu sein. Wir sind selbstsüchtig seit der Geburt. Unsere Sorge ist zu 100% um mich, meine Bedürfnisse, meine Ängste, meine Bedenken, meine Ambitionen.  Was auch immer es ist, es geht um uns selbst. Ich bin hier, um von dir all die guten Dinge abzuernten die mich glücklicher, vollständiger, zu einer besseren Person machen. Okay?

Natürlich kann man nicht sagen, dass das falsch ist, da jedes einzelne menschliche Wesen so ist. Aber es ist nicht immer die fruchtbarste Weise mit Menschen umzugehen. Es gibt einen anderen Weg. Wir können ihn selbstlos nennen. Das ist eine kühne Behauptung. Jeder der Otomo praktiziert hat weiß, dass es so leicht nicht ist, und es nur zu sagen reflektiert nicht wirklich wie die Erfahrung ist. Am Anfang ist es sicherlich eine Technik. Du lernst all die Feinheiten um als Otomo einen guten Job zu machen. Wie ich schon sagte, das Wichtigste ist sich darauf einzustellen, auf diese Art mit dem Sensei zusammen zu sein. 

Niemand macht das in Vollzeit. Mit Suzuki Sensei… ich war im Grunde 35 Jahre bei ihm, von dem Tag als ich ihm begegnete bis zu dem Tag an dem er starb. Aber in all den Jahren war ich ganz sicher nicht in jedem Moment sein Otomo. Obwohl, ich betrachtete mich schon „auf Abruf“ für ihn, die ganze Zeit. Er hatte auch Andere die hin und wieder für ihn Otomo waren, besonders in späteren Jahren, weil ich so viel unterrichtete. Aber seit ich mit ihm praktizierte, definierte die Otomo Praxis meine Beziehung mit ihm.

Nach langer Zeit einer solchen Praxis fängt es an dir in Fleisch und Blut überzugehen. Als ich ihn fragte „Warum muss ich diese Otomo Praxis tun? Es ist sehr schwierig“, sagte er „Weil du ein fürchterlicher Lehrer wirst, wenn du für deine Schüler nicht Otomo sein kannst. Du denkst du bist der Otomo… Doch ich bin dein Otomo. Der Tag an dem du das verstehst, ist der Tag and dem du verstehst was Otomo ist, und dann kannst du ein Lehrer sein.”

Zum Beispiel wenn ich irgendwo in Europa ein Seminar unterrichte, vielleicht in Spanien. Und Carlos Boyer Sensei ist mein Otomo. Er kümmert sich um alle technischen Dinge, so dass ich mir darüber keine Gedanken machen muss. Nun, wenn ich morgens in meinem Apartment aufstehe und dann das Seminar unterrichte, dann kannst du darauf wetten dass ich da sitze und mich auf den Lehrer in Spanien einstelle, auf den Gastgeber, in diesem Fall Rafael Gandia Sensei, den ich an diesem Tag im Dojo treffen werde, und dessen Schüler ich unterrichten werde. Natürlich hat er eine bestimmte Art zu sein, eine bestimmte Art der Interaktion, und ich möchte darauf eingestimmt sein und so viel Unterstützung wie möglich geben. Ich würde nicht so denken, glaubt es mir, wenn ich nicht all die Jahre mit Suzuki Sensei gehabt hätte.

Als wir unterwegs waren sagte er einmal „Weißt du, du kannst nachts nicht einfach so schlafen gehen wenn du der Lehrer bist. Wenn du der Lehrer bist, musst du für alle  Otomo sein, 24 Stunden am Tag.“ Ich hatte da noch nicht verstanden, dass er alle auf der Erde meinte! Ich dachte, er meinte nur alle unsere Freunde und Schüler, aber nein, nein, er sagte „Du solltest die ganze Gemeinschaft in deinem Herzen halten während du schläfst – während du wach bist, natürlich, aber auch während du schläfst.”

Ich erzähle euch eine interessante Geschichte. Tracy Reasoner Sensei ist der Lehrer unserer Anfängerstunde auf Maui und ist somit eine Art Hirte der jungen, anfangenden Menschen – nicht unbedingt jung in Jahren, sondern anfangende Menschen die neu zum Aikido Training kommen. Und eines Tages vor einigen Jahren, er hatte gerade eine Gruppe von Schülern die reifer wurden, und so kam er zu mir und sagte „Sensei, ich denke diese Schüler sind bereit mit der Otomo Praxis zu beginnen.“ Ich sagte „Oh, gut. Lass sie jetzt anfangen.” Und er sagte „Nun ja, aber wie können sie Otomo praktizieren… für wen sollten sie denn Otomo sein?” Ich sagte „Nein. So fängt man nicht mit Otomo an. Ich sehe deine Schüler in einer selbst-orientierten Dunstglocke im Dojo herumwandern. Sie legen noch nicht einmal die hakama zusammen. Warum lässt du sie nicht damit anfangen, sich um die kleinen Dinge zu kümmern. Bitte sie anzufangen zu bemerken… wie sie sich verbeugen wenn sie ins Dojo kommen, wie sie als allererstes den Sensei begrüßen. Machen sie das?“ „Nun, nein, noch nicht.“ Nun, so fangen wir an.

Wir fangen an, indem wir üben aufmerksam zu sein, zu bemerken. Du möchtest dich ja auch nicht einfach von einer Klippe stürzen, wenn du noch weißt wie man fliegt. Du musst in der Lage sein zu lernen wie man sich um andere kümmert, am Anfang geschieht das durch deinen direkten Lehrer, dann fängt es an sich graduell auf mehr Leute im Dojo auszuweiten, mehr Schüler, und dann vielleicht auch auf den Lehrer. Und dann wachst du eines Tages auf und du bist tatsächlich selbst ein Lehrer, und nun hast du die Verantwortung dich auf diese Menschen einzustimmen. Ich benutze dieses Wort „einstimmen“. Ich meine damit „damit eins werden“, beziehungsweise osaeru praktizieren. Osaeru bedeutet eigentlich „halten, beherrschen“. Aber im Aikido ist die Praxis davon eher wie „einschließen“. Also möchtest du niemanden haben den du heute auf dem Seminar unterrichten wirst – als ich heute morgen aufstand, möchte ich niemanden haben der nun in dieser Stunde mit mir ist, auch wenn sie auf Zoom ist und nicht von Mensch zu Mensch – ich möchte niemanden haben den ich nicht halte. Ich möchte niemanden haben der nicht eingeschlossen ist. Eingeschlossen nicht so sehr in meinem Denken sondern in meinem Herzen, in meinem Sein, so dass ihr mir wichtig seid. Versteht ihr? Und ihr könnt das nicht einfach „tun“. Es muss natürlich sein um zu wirken.

Also das bedeutet es Aikido zu unterrichten. Nun, es ist nicht nur jemandem beizubringen wie man Shomenuchi kokyunage macht, oder wie man mit der Glocke schlägt und Sokushin no Gyo praktiziert, oder wie man Kiatsuho macht. Es sind all diese Dinge, natürlich. Aber was ist die Bedeutung von all dem, versteht ihr? Für Tohei Sensei… er hat uns immer beobachtet. Und wenn ich ein privates Meeting mit ihm hatte und er mit mir sprach, dann stellte ich fest, dass er jede meiner Bewegungen beobachtet hatte. Und ich hatte davor nichts davon bemerkt. Aber er war sich meiner Entwicklung jederzeit vollkommen bewusst. Eines Tages kam ich mit Suzuki Sensei in das Dojo in Japan. Er und ich kamen gerade aus dem Flugzeug und hatten den Bus nach Utsunomiya und dann das Taxi zum Headquarter genommen. Wir kamen herein, und da war Koichi Tohei Sensei und saß alleine hinten im Empfangsbereich. Wir waren einfach so glücklich ihn zu sehen, und wir gingen beide hin zu ihm, verbeugten uns und begrüßten ihn. Und er sah mich an und sagte „Mr. Curtis, was ist deine Graduierung?” Und ich sagte „Die ist Godan” (fünfter Dan). Und er sagte „Nun, ich mache dich jetzt zum Roku Dan. Okay? Jetzt bist du sechster Dan.” Und er ruft jemanden herbei… „Schreib das auf: er ist ab jetzt Roku Dan.” Einfach so. Wo kam das jetzt her? Ich hatte ihn seit 6 Monaten nicht gesehen. Okay, ihr könntet nun denken vielleicht hat er mit Suzuki Sensei gesprochen, vielleicht per Brief. Nur um euch eine Vorstellung davon zu geben, dass ein wahrer Lehrer mit allen jederzeit verbunden ist.  

Das Schlimmste, was du als Schüler machen kannst, ist zum Lehrer zu kommen und ihn daran zu erinnern, dass du zu irgendeinem Rang graduiert werden musst. Das zeigt nur dass du keine Ahnung hast. Du hast keinen Respekt für den Lehrer. Der Lehrer hält dich in seinen Händen. Er weiß ganz genau wann du bereit bist für was auch immer der Rang ist. Deswegen haben wir solche Sprüche wie „Frage niemals den Lehrer…“ Nicht nur weil es unverschämt ist um Rang zu bitten. Es ist unverschämt. In Japan könnte sowas einfach nie passieren, aber das ist weil sie damit aufwachsen. Für uns im Westen ist es sehr wichtig zu verstehen wie das funktioniert.

Dies ist die Sonntagmorgen Meditationsstunde, also warum fangen wir nicht an, und können dann am Ende vielleicht ein bisschen darüber sprechen wenn ihr eine Frage zu  Otomo habt. Okay?

Lasst uns anfangen. Setzt euch aufrecht hin. Wir fangen mit ein wenig Ki-Atmung an …

(15 Minuten Ki-Atmung)

Streckt euch mal … 

(12 Minuten Ki-Meditation)

Ganzkörper-Meditation …

(10 Minuten Ganzkörper-Meditation) 

Wenn wir diese Art der Meditation üben, dann ist es als wenn das der Onepoint ist (deutet auf den Daumen) und das ist tentei (deutet auf den Zeigefinger), und der Atem bringt sie zusammen, so (formt einen Kreis mit Daumen und Zeigefinger). Ohne jemals aufzuhören. Das ist die Erfahrung von Unendlichkeit – deswegen dieses Bild (eines Kreises). Aber versucht nicht, euch das vorzustellen. Ich versuche nicht, euch ein Bild in den Kopf zu setzen. Der Atem vereinigt. Also die Vereinigung von Geist und Körper kann ohne den Atem nicht geschehen. Der Atem ist was uns physisch am Leben hält, und der Atem ist was uns spirituell am Leben hält. Der Atem ist der Schlüssel. Also tiefes, ruhiges Atmen, ja. Der Atem bringt all die separaten Elemente unseres Lebens zusammen. Sehr wichtig.

Nun, wir sprechen über Otomo. Wir haben heute morgen unter uns zwei der erfahrensten Otomos in unserer Gruppe, und wahrscheinlich in der Welt. Wenn ihr irgendetwas über Otomo wissen wollt, dann ist es gut sie zu fragen, denn sie verstehen es ziemlich gut. Vielleicht werden sie euch sagen, dass sie es nicht verstehen. Ich sage sie tun es.

Charles Boyer:  Guten Morgen, Sensei. Dankeschön. Otomo Praxis ist wie gute Medizin. Nun, sie schmeckt nicht immer gut, ist manchmal etwas bitter. Aber mit der Zeit verstehen wir, dass es das ist was wir brauchen. Ich denke dabei werde ich es für jetzt belassen, Sensei.

Gut, also ich möchte nicht, dass du irgendwen entmutigst. Es kann eine bittere Pille sein die wir schlucken müssen. Ja, natürlich kann es manchmal sehr schmerzhaft sein, weil es komplett gegen die Bedürfnisse unseres Egos geht. Es verletzt definitiv unseren selbstsüchtigen Geist. Deswegen tun wir es, natürlich. Aber wir müssen vorsichtig sein, weil der selbstsüchtige Geist auch da hinter gehen kann. Ich war einmal an einem Ort wo ich dachte ich wäre ein wirklich, wirklich fantastischer Otomo. Und das war genau kurz bevor ich wirklich, wirklich tief wieder herunter geholt wurde. Meine Arroganz wurde mir offenbart. Darüber ist eine Geschichte im Buch – eine lange Geschichte, ich werde sie jetzt nicht erzählen. 

Die Sache ist die, für gewöhnlich ist es immer kurz bevor du richtig eine verpasst bekommst – und das ist tatsächlich der Grund warum du eine verpasst bekommst – dass du genau dann gerade angefangen hattest dich als wirklich perfekt zu sehen. Also, wir müssen da wirklich aufpassen, weil das Ego es uns in beide Richtungen verderben kann. Ja, es kann unbequem sein. Na und! Ja, es kann sehr lohnend sein. Na und! Wir sind nicht hier um irgendetwas zu bekommen. Wir sind nicht hier um abzusahnen. Wir sind hier um unser Wesen zu öffnen, was wir normalerweise nicht gewohnt sind zu tun.

Tracy Reasoner:  Nun, Sensei, wir haben auch Andrew LeBar Sensei hier, der auch Otomo Erfahrung hat. Ich sage es mal so: Andrew ist der eigentliche Grund warum ich auf Maui lebe. Denn ich wusste gar nicht, dass es möglich wäre nach Maui zu ziehen und mit dir und Suzuki Sensei zu trainieren. Ich kam von Arizona hierher nach Maui auf ein Seminar, und ich hörte euch unterhalten, und Andrew erzählte davon eventuell hierher nach Maui zu ziehen – er war sich noch nicht ganz sicher, er dachte darüber nach. Und ich bekam spitze Ohren, ich dachte… dass kann man machen? Nun, das klingt nach einer guten Idee. Aber ich habe niemandem davon erzählt. Ich habe es einfach im Hinterkopf behalten, wisst ihr, vielleicht eines Tages wenn ich meine Arbeit in Arizona aufgebe, dann ziehe ich nach Maui und trainiere oder so. Aus Gründen die mir damals noch nicht klar waren kam ich dann tatsächlich früher hierher, und ich erinnere mich wie ich hier ankam und dich und Suzuki Sensei im Büro antraf. Und ich sagte „Nun, ich bin auf einem 5-Jahres-Plan, Sensei. Ich werde 5 Jahre hier sein, dann gehe ich zurück und eröffne wahrscheinlich ein Dojo oder etwas in der Art.“ Und du sahst mich einfach an und sagtest „Gib dem kein zeitliches Ziel, Tracy. Gib dem überhaupt keine Zeit. Sei einfach hier und trainiere erst mal, okay?“ 

Ich hatte keine Ahnung wie es sein würde hier zu sein, und die ganze Zeit mit sowohl Suzuki Sensei als auch Curtis Sensei und all den anderen hochrangigen Leuten hier zu trainieren. Es ist nicht dass ich irgendwas besonderes bin. Und hier auf Maui sind auch einige der höchstgraduierten Frauen der Welt: Lynn Curtis, Joni Jackson, Mele Stokesberry… 

Otomo ist ein anderes Level des Trainings, aber allein schon mit all diesen Leuten hier zu trainieren… Ich habe von ihnen mehr gelernt als von meinen Versehen und Fehlern, von denen es eine Menge gab. Natürlich ist es eine große Chance Otomo zu trainieren.  Es ist schmerzhaft, da stimme ich Charles Boyer zu, aber es ist schwer zu erklären warum. Das ist der Grund warum dein Buch so schwierig zu schreiben ist, denke ich. Weil man diese Art von Erfahrungen manchmal schwer mit Worten vermitteln kann. Es ist nicht dreidimensional. So, das ist so ziemlich alles was ich zu sagen habe.

Vielen Dank. Ja, es ist eine sehr schwierige Angelegenheit, zu versuchen das Undefinierbare zu definieren. Es widersetzt sich einer Definition. Es kann einfach nur erfahren werden, es ist als wenn man jemanden fragen würde „Wie ist das Leben so?“ Du müsstest ein paar relative Begebenheiten auswählen, um darüber zu reden wie das leben so ist. Und es gibt so viele Geschichten wie es individuelle menschliche Wesen gibt. 

Andrew LeBar:  Hi, Sensei. Wie geht es dir? Ich werde es niemals vergessen, ich denke  es war 1995 als du und Shaner Sensei eine Stunde zu Otomo unterrichtet habt, vor einem Seminar mit (Iwao) Tamura Sensei in Lawrence, Kansas. Und ich hatte keine Ahnung. Du hast alles genau erklärt, doch ich hatte keine Ahnung. Und natürlich lernte ich während meiner Zeit als Otomo für Tsubaki Sensei in Japan, dass Otomo nichts ist in dem man jemals perfekt werden kann. Es ist die ultimative Lektion fürs Leben, denn du strebst immer danach deinem Lehrer zu helfen, und da wir einfach Mensch sind, macht unser Ego große Schwierigkeiten. Wie auch immer, du fühlst dich oft der Sache nicht gewachsen, so wie es auch im Leben ist. 

Ich werde eine kurze Geschichte erzählen – wir waren auf Maui um zu trainieren, und ich war hier mit Tsubaki Sensei. Wir kamen zum Dojo, und ich sah wie du am Dojo aus einem Auto stiegst und jemand nahm deine Tasche. Also steige ich aus dem Auto aus, und gehe direkt zum Kofferraum um Tsubaki Sensei’s Tasche zu nehmen. Nun, Sensei griff auch danach. Und es kam zu einem kurzen Tauziehen auf dem Parkplatz um seine Tasche! Denn ich wollte mich um ihn kümmern, und er wollte nicht dass ich mich um ihn kümmere. Ich musste ihm erklären, wenn er tatsächlich in das Maui Dojo hinein geht und seine Tasche selbst trägt, und ich gehe hinter ihm und trage nicht seine Tasche, das geht so nicht. Er gab sehr widerwillig nach und erlaubte mir seine Tasche zu tragen. Er hat mir nie erlaubt ihm beim Umziehen zu helfen. Er hob nur seine Hand und sagte „Geh weg!“ Aber das Training ist von unschätzbarem Wert. Sich selbst nicht an die erste Stelle zu setzen, aufgeben zu müssen was ich denke was ich brauche, und das für jemand anderen aufzugeben. Das ist was ich durch Otomo gelernt habe.

Okay. Vielen Dank. Du warst gelegentlich auch für mich Otomo, und du bist sehr seriös und klar darüber was getan werden muss. Es ist wundervoll, dass du diese Erfahrung machen konntest. Es hat deine gesamte Herangehensweise an das Aikido verändert, nicht wahr? 

Schüler:  Ja, Sensei, das hat es. Und ich muss sagen, was du vorhin gesagt hast, dass wenn man Lehrer ist, dann heisst das nicht dass man nicht Otomo ist. Man muss immer mit den Schülern verbunden sein auch wenn man nicht bei ihnen ist. Ich mag noch nicht auf einem ausreichend hohen Niveau sein um alle auf der Welt einzuschließen, aber ich versuche es stets weil du mir vor langer Zeit erzählt hast was Suzuki Sensei sagte wie man sich um seine Schüler kümmert. Es ist eine Straße in beide Richtungen.

Natürlich, es ist klar dass niemand ein perfekter Otomo sein kann. Darum geht es auch nicht. Das eigentliche Problem mit Otomo ist, dass wir für eine bestimmte Zeit als Otomo eingeteilt werden, und wenn das vorbei ist, dann neigen wir dazu zu denken es wäre geschafft. „Oh, ich bin jetzt kein Otomo mehr; jetzt bist du Otomo.” Und so geht das nicht. Wenn es so für dich ist, dann verstehst du es noch nicht.

Ich kann nicht genug betonen, wenn du deinem Lehrer nicht dienen kannst, dann kannst du auch nicht deinen Schülern dienen. Du kannst sie unterrichten, vielleicht sogar sehr gut. Ich kenne Lehrer, die dienen ihren Schülern überhaupt nicht, so zu sagen, auf die Art von der wir hier sprechen, aber sie sind immer noch sehr gute Lehrer. Und daran ist auch nichts falsch. Vielleicht ist das sogar die Art Lehrer die ihr vorzieht.  Es gibt da draußen viele davon. Wenn ihr das möchtet, dann geht und trainiert mit denen. Vielleicht wollt ihr nur Expertise haben. Das ist toll! Aber das ist nicht was wir machen. Das ist nicht was Suzuki Sensei gemacht hat. Und es definitiv nicht was Tohei Sensei gemacht hat.

Diese Tradition wurde mir übertragen trotz mir, nicht wegen mir. Und deshalb teile ich sie mit euch, damit ihr seht wie unwahrscheinlich wertvoll sie sein kann.

Okay. Es ist nach Acht Uhr. Ich danke euch sehr. Ich schätze es sehr, dass die Otomos heute darüber gesprochen haben. Mehr dazu später. Bis bald.

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