Den Unterschied bemerken: Otomo im täglichen Leben

— von David Shaner und Rich Fryling (Übers.: Olaf T. Schubert) —

EKF Online Zoom Training, 7. Mai 2020

David Shaner Sensei: 

Schönen Nachmittag euch allen, es ist schön eure lächelnden Gesichter zu sehen! Danke dass ihr euch die Zeit nehmt hier dabei zu sein. Ich freue mich schon sehr auf die heutige Stunde mit Rich Fryling Sensei, und bevor ich ihn vorstelle, wie ich es letzte Woche tat als ich Iliana vorstellte, möchte ich einige Minuten verwenden um allen zu danken die mir geschrieben haben, Leute haben mir noch nie so viel geschrieben, mit allen möglichen Fragen und Ideen… Nun, das sagt mir, dass ihr euch wirklich damit beschäftigt, und ich liebe es, dass ihr Fragen stellt, und die Dinge durchdenkt über die wir hier sprechen, ich schätze das wirklich sehr. Und ich werde versuchen das jetzt kurz zu halten, so ungefähr 10 Minuten, weil ich zwei Ziele habe, da waren zwei Gruppen von Fragen, und ich kann nicht alle im Detail beantworten, aber ich werde mal in die Richtung weisen und dann später zu den Fragen zurück kommen, weil sie doch recht wichtig sind, und ich werde versuchen sie so zu beantworten, dass ich auch überleite zu dem Vortrag von Fryling Sensei, der darüber sprechen wird wie man den Unterschied bemerkt in Bezug auf Otomo Training im täglichen Leben. 

Also, die zwei Gruppen von Fragen, viele waren über Saikontan (auch Caigentan), das Buch das so sehr Tohei Sensei beeinflusst hat, und dessen Beziehung zum 1. Level von Körper/Geist-Bewusstsein, und die zweite Gruppe hatte interessanterweise mit dem 1. Level des Körper/Geist-Bewusstseins und Dingen wie Mitgefühl oder Liebender Güte zu tun. Nun, ich wollte einfach versuchen diese Dinge so zu illustrieren, dass wir überleiten zum Otomo Training. Es ist für mich ein bisschen riskant, aber ich werde es versuchen. 

Wie ich es schon in den letzten Wochen getan hatte, für alle die nicht dabei waren, möchte ich euch nur erinnern… das 1. Level von Körper/Geist-Bewusstsein ist tatsächlich wenn du gar nicht auf die Welt projektierst, du analysierst nicht, du bewertest nicht, du denkst nicht, du versuchst nicht nicht zu denken… in der Phänomenologie wird das als thesen-neutral bezeichnet, also keine Thesen, dein geist postuliert keinerlei Thesen, das ist was dieses 1. Level von Körper/Geist-Bewusstsein ist (Anm. d. Ü.: der unterste der 3 Zustände auf den Sensei im Foto zeigt), aber darin kommt dann oft ein Anlass wo du denken musst, du musst auf die Umgebung eingehen (zeigt dabei dann auf die mittlere Skizze mit nur einem Gedanken)…

Shaner Sensei zeigt 3. Level (oben – Affengeist), 2. Level (Mitte – Fokus) und 1. Level (unten – frei, ohne Intention)
des Körper/Geist-Bewusstseins

Nun, ich werde jetzt eine Illustrierung nutzen, ich werde euch nur ein Sinngedicht aus dem Saikontan vorlesen, weil es einige Punkte hier illustriert die ich diskutieren möchte, und ich denke eine Illustrierung wird euch helfen… später könnt ihr dann ja mal nachschauen und Shokushu Nr. 7 lesen, und ihr werdet sehen, dass die Passage die ich euch aus dem Saikontan vorlesen werde ist tatsächlich der Samen für „Lebendige Ruhe“ im Shokushu. Nun, es liest sich so… oh, ich habe auch gesagt, dass Tohei Sensei wahrscheinlich keine einzige Stunde unterrichtet hat ohne sich auf das Saikontan auf irgendeine Art zu beziehen, aber hat nicht gesagt „nun werde ich über Saikontan reden“, er hat einfach nur diese Bezüge genutzt, und die Leute dachten „Wow, er ist so schlau, er redet über diese klassische, literarische Tradition“, weil Saikontan wurde ursprünglich in Chinesisch verfasst, und bedenkt, die geschriebene Sprache wurde aus China importiert, also das ist sehr wichtig im japanischen Denken. Nun jedenfalls, Saikontan war ein sehr sehr populäres Werk, oft zitiert, auch von Tohei Sensei, der es so ziemlich auswendig kannte… er hat diese Passagen in sein Tagebuch geschrieben als er in der Armee war in China… und seine Offiziere sagten, wow, das ist so ein hohes Niveau, du bist so schlau! Wie auch immer, last mich euch eine Kostprobe geben:

Wenn der Wind durch den verstreuten Bambus weht, halten sie nicht an dem Geräusch fest nachdem er vorüber ist, 
Wenn wilde Gänse über einen kalten See fliegen, hält der nicht an ihren Schatten fest nachdem sie vorübergezogen sind. 
Genauso, beginnt der Geist einer vorzüglichen Person nur dann zu arbeiten, wenn ein Ereignis geschieht, und er wird wieder leer sobald die Sache endet.

Was das bedeutet ist, wenn Tohei Sensei sagt, wenn ihr euer Leben in Einheit von Geist und Körper lebt (zeigt dabei auf die unterste Skizze, siehe Foto), dann lebt ihr als Basis im Modus des ersten Levels, und er nannte das Genjo, oder präsent-sein, genjo bedeutet präsent zu sein, wie in „shinpo uchu rei, kanno soku genjo“, die Kalligrafie die in der Shomen im Tenshin-Gosho in Japan hängt (Anm.d.Ü.: das Ki-Dojo am Ki-Society HQ), oder während wir bei einer Widmung „ki ire, ki barai“ machen, dieses letzte Wort, genjo, ist dasselbe, es bedeutet präsent zu sein, du denkst nicht, du versuchst nicht nicht zu denken, du bist einfach präsent, und dann geschieht ein Ereignis, und du gehst darauf ein. Das ist das gleiche was in der Ethik passiert… lasst mich euch einfach ein Beispiel geben. Vor 44 Jahren, 1976, war meine erste Gelegenheit für Tohei Sensei otomo zu sein. Ich war gerade nach Honolulu, er kannte mich vorher als den Ski-Rennfahrer von der Westküste, der immer uke für ihn auf Seminaren war, und plötzlich ist er da in Honolulu im Palama-Dojo, wo wir in einem Dojo drei 6. einen 5. Dan hatten, Tabata Sensei, Eto Sensei, Yamamoto Sensei und Naluai Sensei, alle im Palama-Dojo, und da ist Tohei Sensei, er sieht mich, und ich nehme dann für ihn das ukemi im Unterricht, und dann fragte er ob ich ihn fahren könnte, ich war nicht als sein otomo eingeteilt, er bat darum mit mir Zeit zu verbringen, und er fragte ob ich ihn fahren würde vom Palama-Dojo zum Pagoda Hotel, welches direkt neben seinem Lieblings- Restaurant, dem Likelike-Drive-In, war. Wie auch immer. Also, ich bin… schockiert. Also, ich war dieses Ereignis, und hier ist Tohei Sensei (zeigt wieder auf die unterste Skizze im Foto), und plötzlich ist da ein Ereignis, genau wie im Saikontan, und das Ereignis ist: „Warte, warum bist du hier? Du solltest doch in Kalifornien sein, du bist der Ski-Rennfahrer.“ Und ich sage, nun, Sensei, ich wollte mein Training fortführen, und deswegen bin ich hierher nach Honolulu gezogen, wo ich auch an der Universität von Hawaii ein Aufbaustudium machen kann… „Oh, Hawaii daigaku, honto?“ Ja. „Was studierst du?“ Ich sagte, asiatische Philosophie. Er schaute mich an, asiatische Philosophie? Ja, Buddhismus, Konfuzianismus, Daoismus, ich erzählte ihm was meine Kurse waren, ich studierte bei Chung-yuan Chang, ein Kurs in Chan-Buddhismus, dem Vorläufer des japanischen Zen, und dann studierte ich frühen Buddhismus mit der größten Autorität für die frühesten buddhistischen Texte, sein Name war David Kalupahana, ich erzählte das Tohei Sensei, und er war absolut fasziniert, dieser Ski-Rennfahrer, den ich aus einem Teil der Welt kenne, ist jetzt in Honolulu, er trainiert, und er will mein Denken besser verstehen indem er die asiatische Philosophie studiert, und ich sagte, ja Sensei… Als ich sagte Buddhismus, Konfuzianismus und Daoismus, da schaute er mich an, lachte, und sagte „Saikontan!“ (lacht) Weil, wenn du diesen Text kennst… es ist eine Verschmelzung aus diesen dreien, und etwas das Tohei Sensei beeinflusst hat mehr als alles andere. Und so, in dem Moment als er anfing mir Fragen zu stellen, fühlte ich diese Art von Mitgefühl, liebender Güte, wirklich ernstgemeintem Interesse, als wenn er sich vollständig leer machte, und dann mich ermutigte meinerseits ebenso Fragen zu stellen. Und ich dachte, wow, dies ist Tohei Sensei, und er gibt mir diese Art von Zeit und Aufmerksamkeit, ist vollständig präsent mit mir, und ist interessiert an meinem Geist. 

Und er war fasziniert, dass ich diesen Schritt tun würde nach Hawaii zu ziehen, an der Universität von Hawaii zu studieren, weil ich seinen Geist tiefer verstehen wollte. Nun, von diesem Tag an, bumm, Herbst 1976, hatten wir eine Verbindung die in Wirklichkeit von ihm getrieben wurde, er war wirklich fasziniert, das ist was er in seinem Leben studieren und lesen wollte, nicht seine Wirtschaftskurse an der Keio Universität… darüber hatten wir ja schon gesprochen. Wie auch immer, ich war auf der Empfängerseite von diesem unglaublichen Fokus und Aufmerksamkeit, mir aufmerksam zuhörend, und sich selbst anbietend, mich von diesem Tag an dazu ermutigend ihm Fragen zu stellen… Wenn ich diesen Aufwand betrieb nach Hawaii zu ziehen und dort zur Uni zu gehen um seinen Geist zu studieren – dann würde er die Gegenleistung erbringen, und, es war einfach unglaublich. Kleine Akte der Güte. 

Ich denke ich habe diese Geschichte schon mal einigen von euch erzählt, nun, lasst uns annehmen ich bin gerade otomofür ihn, und wir sind in einem Restaurant… er denkt ich muss etwas Gewicht zulegen, er denkt ich verliere Gewicht und ich muss mehr essen, also was tut er? Er steuert die Aufmerksamkeit der anderen weg von seinem eigenen Teller, indem er einfach in eine Richtung schaut und Ki dorthin ausdehnt, und jeder dreht seinen Kopf dahin, und während sie das tun nimmt er Essen von seinem Teller und schafft es still und unsichtbar… als wenn er otomo für mich wäre, legt Essen rüber auf meinen Teller, wieder und wieder und wieder, niemand bekommt das mit, aber niemand lässt dann zu, das Tohei Sensei’s Teller leer wird… wie in einem Sushi-Restaurant, und kommt einfach immer weiter, es kommt und geht zu mir, es kommt und geht zu mir, liebende Güte.

Oder während einer Vorführung, eine weitere Illustration die ich einmal Kaicho Sensei (Anm.d.Ü.: Shinichi Tohei Sensei) erzählt habe. Eine bestimmte Zeit lang hatte er nicht Kaisho, Gyosho und Sosho benutzt… sondern er sprach über (Anm.d.Ü.: die Ausführungsweise der) Techniken als Frühling, das war dann Kaisho, Sommer… Gyosho, Herbst… Sosho, und dann Winter ist was er Demonstrations-Stil nannte, wenn er etwas zeigen wollte, versuchte die Power davon zu zeigen, und offensichtlich wird er niemanden werfen, von dem er annahm, dass dieser sich schwer verletzen könnte. Also, er sah mich einfach an, ich war uke er war nage, er sah mich an, und unter seinem Atem hauchte er „Winter!“… Wie – pass auf! Ich werde Winter machen, sei vorbereitet, sei voll einsatzbereit, weil, jetzt werden mal richtig ein paar Sachen machen… Aber seht mal, das war ein Akt der Güte, er warnt mich, „Hey Junge… sei auf der Hut, ich werd‘ jetzt loslegen!“ Ein weiterer Akt der Güte.

Das letzte Beispiel für heute… es war 1993, Maui. Und ich glaube Suzuki Sensei hatte mich gebeten für Tohei Sensei otomo zu sein, für diese Reise… und ich war da im Hotel mit ihm, nach dem Training, er hatte sich kurz schlafen gelegt und mich gebeten ihn zu einer bestimmten Zeit zu wecken, früher als gewöhnlich weil er seinen formellen Kimono anziehen wollte… weil, ich hatte das Zertifikat für Suzuki Sensei’s 8. Dan zu transportieren, und er wollte ihm an diesem Abend den 8. Dan verleihen, und das war eine Überraschung für Suzuki Sensei. Nun, ich wusste ich war otomo und müsste ihm helfen sich anzuziehen, und er hatte diesen formellen Kimono, und sein Gepäck war in diesen hölzernen Kisten, wirklich alt, klassisch, antik, wie hölzerne Versandkisten, und sie hatten hölzerne Unterteilungen… und war so entschuldigend… ich weiß nicht wie ich helfen soll… ich weiß nicht wie das mit diesem Kimono geht… (lacht) ich war wirklich aufgeregt, und er sah mich an und sagte „Daijoubu desu!“ Er sagte, „Ich weiß auch nicht wie das geht, lass es uns zusammen herausfinden!“  So scheinbar war es in Japan immer entweder seine Frau oder jemand anders, wenn er all diese verschiedenen Schichten anziehen musste, die ihm halfen, und so wusste er es selbst nicht… und das brach einfach das Eis, es war einfach solch ein Akt der Güte einfach zu sagen, weißt du was, lass es uns zusammen herausfinden. 

Wie auch immer, all das zeigt nur, otomo zu sein… er war otomo für mich, während es doch eigentlich anders herum sein sollte? Sein Geist ist so (zeigt wieder auf den untersten Teil der Skizze), und wenn ein Ereignis erscheint… der Wind weht durch den Bambus… die Gänse fliegen über den gefrorenen See, aber dann sind sie weg, und wenn sie weg sind, bleib da nicht stecken, wie Kaicho Sensei sagt, „Lass deinen Geist frei sein!“, wir trainieren um frei zu sein von Anhaftungen… Jede dieser Subjekt-Objekt Dinge auf die wir uns fokussieren, hat das Potential eine Form von Anhaften zu kreieren. Also, mit dieser langen Einführung, möchte ich sagen, worüber wir gesprochen haben, Sehen mit einem erweiterten Umfeld, ist was Tohei Sensei die ganze Zeit gemacht hat, und dann reagierte er entsprechend seiner Präsenz in der Situation, nochmal: genjo, er reflektiert den Mond und den fliegenden Vogel, sein Geist ist wie der Bambus, wie die Oberfläche des Sees. Also, das sind alles Wort-Bilder die uns helfen zu verstehen… wie ist der Geist, den der Autor von „Saikontan“ uns helfen wollte zu verstehen, und warum hatte das einen so großen Einfluss… Nun, das mag für einige interessant sein, etwas tiefer in Tohei Sensei’s Denken einzutauchen, ich hatte eine Leidenschaft dafür… und das hat auf gewisse Weise unsere Beziehung definiert…

Nun, im Leben…  mögt ihr euch fragen, wie wäre mein Leben anders, wenn eine bestimmte einflussreiche Person nicht in mein Leben gekommen wäre? In meinem Fall, ich kann es mir wirklich nicht vorstellen wie mein Leben wäre, ohne bei Tohei Sensei Ki-Aikido zu studieren, oder all die anderen Senseis die mir halfen zu lernen und das immer noch tun… 

Nun, im Fall von Rich… gibt es da eine Person, von der ich glaube, dass sie diese Rolle hat. Und das bin nicht ich, wisst ihr, es ist nicht so… nun, gut, ich bin sein Lehrer, aber… Ein Gentleman namens Jim Henderson, lasst mich kurz… sorry Rich, dass ich deine Zeit aufbrauche… Rich ist mit seinem Training nun im 32. Jahr, seit er an der Furman Universität anfing bei mir zu trainieren, im akademischen Jahr 1988/89. Er schloss das Studium 1992 ab, und sehr zum Leidwesen seiner Eltern… ich war da eine Weile ein bisschen in Schwierigkeiten, sie sagten, okay, wir haben gerade bezahlt für diese elitäre private Bildung in den freien Künsten, mit hohen Studiengebühren und was wirst du nun tun, Sohn? Nun, ich habe irgendwie meinen Hauptabschluss in Aikido gemacht, und ich würde gerne weiter trainieren. Also ich möchte gerne in Greenville bleiben, und er bekam einen Job bei einem der Lehrer unseres Dojos, Bob Ripley, der ein Meister der Schreinerei ist, und so hat Rich um etwas zu essen und einen Job zu haben lernte er nun unter Bob Ripley und sein Leben war nun in der Schreinerei, er lernte wie man Shoji Schiebetüren herstellt, für unser Dojo, und solche Dinge… Und dann hatten wir einen neuen Schüler, namens Jim Henderson, derselbe der der Gründer von Henderson Advertising war, einer gigantischen Advertising Firma, die regelmäßig Werbe-Preise gewann von Firmen an der Madison Avenue, hier aus unserem kleinen Greenville in South Carolina. Jim begann zu trainieren als er bereits um die 70 war, und er mochte Rich, der seine Stunden unterrichtete, und auch Rich mochte Jim, und so haben sie auch privat miteinander trainiert… Nun, Jim mochte Rich so sehr, dass er ihn fragte… Nun, was möchtest du tun… ich würde dich gerne einstellen. Und Rich ist… was? Ja, ich möchte dich ausbilden zu einem Account Executive in meiner Firma. Lange Geschichte… kurz gesagt… Jim stellt Rich ein, Rich kommt zum größten Kunden, Dow Brands, er wird Assistant Account Executive, was übrigens ist wie otomo zu sein, wie ich über die Jahre lernte, denn was macht ein Account Executive? Du bist das Gesicht gegenüber dem Kunden, so in diesem Fall Dow Brands, die Geschäftsleute, sie brauchen Marketing und Werbung. Und er ist der Mann, der Geschäftsmann, der mit ihnen arbeiten wird. Aber irgendjemand muss der Vermittler sein zwischen den Geschäftsleuten und den Kreativen, in der Werbefirma, die sind alle Künstler, die Denken alle out-of-the-box, die sind nicht diejenigen die letztendlich den Vertrag verhandeln werden. Du bist also wie ein Broker zwischen dem Kunden und den Kreativen. Und ich denke Rich hat das gemeistert, er hat einfach gute zwischenmenschliche Fähigkeiten und kann zuhören, und das ist es was Jim Henderson sah. Als Dow Brands nach Minneapolis umzog, war da Jim und half Rich, sagte ihm, du musst nach New York gehen… 1995, denke ich, ja, Rich zieht nach New York, bekommt einen Job bei Grey Advertising, er wird Account Executive, und beginnt seinen Weg nach oben. Erster Kunde, riesig, Procter&Gamble, GlaxoSmithKline, Kimberly-Clark, Johnson & Johnson, Major League Baseball, die PGA (Professional Golf Association), Rich war Der Typ, in seiner Karriere, und er ist zu bescheiden euch das zu erzählen, aber ich kann es einfach sagen. Er verbrachte 4 Jahre in Europa als der Geschäftsführer von Europe Online, kam kurz nach 9/11 zurück, wurde wieder von Grey eingestellt, weil sie meinten er ist ein Superstar, der er auch war, er blieb dann da, heiratete 2003, wurde 2005 Head Instructor von New York Ki Aikido, wurde 2007 Vater, und schließlich entschied er sich 2014 seine eigene Beratungsfirma zu gründen, spezialisiert auf Marketing und Leadership Seminare für Firmen.

Also, ich fühle mich einfach gesegnet, wir haben gehört von Patrick Terry, der seit 29 Jahren mein Schüler ist, Iliana 27 Jahre, Rich 32 Jahre, und das ist noch nicht mal so lange wie bei Harrell Sensei und Stone Sensei. Diese Art von Beziehung mit meinen Schülern zu haben, und viele mehr in der EKF (Anm.d.Ü.: Eastern Ki Federation) die nur noch nicht so früh so gut kannte, da wir die EKF ja erst in 2004 gegründet haben. 

Nun, wie dem auch sei, es ist mir eine Freude Rich zu bitten mit uns zu teilen was auch immer er mit uns teilen wird, aber ich denke es wird etwas mit otomo zu tun haben, und zu sehen, und Ki im täglichen Leben anzuwenden, speziell wo wir uns jetzt gerade befinden. Entschuldigung, dass ich 20 Minuten gebraucht habe. Ich übergebe wieder an dich…

Rich Fryling Sensei: Vielen Dank, Sensei. 

Ich denke es ist eine riesige Chance, und ich danke Sensei, dass ich nun eine Session leiten darf zum Thema otomo-Training. Auf keine Weise gebe ich vor, ein Experte zu sein… wenn ihr einen wirklichen Experten sehen wollt… findet Harrell Sensei irgendwo auf eurem Bildschirm und winkt ihm zu, denn wenn ihr Harrell Sensei zuschaut, wenn er otomoist, dann werdet ihr ganz klar sehen wie schwierig es ist und wie mühelos es aussehen kann, und ich schätze mich sehr glücklich Harrell Sensei über die Jahre in seiner Rolle als otomo zuschauen zu können, und so konnte ich mir vieles abschauen wie es gemacht wird… Also ich bin kein Experte, aber ich schätze mich glücklich viele Gelegenheiten gehabt zu haben für einige wundervolle Lehrer otomo sein zu können, natürlich hauptsächlich für Shaner Sensei. Es ist eine Fähigkeit die immer weiter verbessert werden kann, und Shaner Sensei erinnert mich daran bei zahlreichen Gelegenheiten. 

Was ich tun möchte ist… ich weiß, dass unsere Welten derzeit auf dem Kopf stehen, und wir leben alle auf engem Raum, unsere Häuser fühlten sich wahrscheinlich viel kleiner an, wir hocken aufeinander, man kann nicht wirklich entkommen, vielleicht verlieren wir etwas öfter die Geduld, wir sind mürrisch, kurz angebunden, ablehnend, ein hohes Stresslevel… In meiner Welt, ich habe neue Kunden, die ich nun nicht mehr treffen kann, das ist stressig, ich habe zwei Teenager Jungs, deren Welt… plötzlich wurde ihnen der Teppich unter den Füßen weggezogen, sie haben ihre Freunde nicht mehr, sie müssen rausfinden wie sie überleben können in dieser Welt der sozialen Distanz. Ich habe eine Frau, sie ist Opernsängerin, eine Künstlerin, und die ganze Welt der Kunst ist komplett zerfallen, ist nicht länger wichtig, und das ist für sie schwierig. Ich habe altwerdende Eltern die ich nicht besuchen kann, aber um die ich mich trotzdem kümmern muss, ich habe eine Schwiegermutter, die eine Herausforderung für sich ist, und hier dasselbe, sie wird alt, und ich muss mich weiter um sie kümmern. Ich habe eine Gemeinschaft von Freunden wovon ich ein Teil sein möchte, aber ich muss das auf virtuelle Art machen, ich habe einen Freund von der Metropolitan Opera der im Prinzip beurlaubt ist, er weiß nicht wenn er wieder zurück zur Arbeit kann, es könnte in zwei Jahren sein, und er ist ohne Einkommen, und ich versuche für ihn ein bester Freund zu sein… Und ich bin mir sicher wir alle haben in unserem Leben solche Herausforderungen, und wir versuchen alle zu jonglieren, versuchen der Beste zu sein der wir sein können unter den Umständen mit denen wir es zu tun haben, und sinnvoll und relevant und wichtig im Leben der anderen Menschen zu sein.

So wenn ich zurück schaue auf alles was ich gelernt habe, im Aikido-Training, und wenn die Zeiten schwierig sind, wie sie es jetzt sind, eine Fähigkeit zu der ich immer wieder zurück komme, sind die Fähigkeiten die in mir herausgebildet wurden durch das otomo Training.  Ich liebe Jo 1, und ich kann mich wirklich begeistern dafür Taigis zu üben… ich denke es ist das otomo Training, aus dem ich mir in diesen Zeiten einige der grundlegendsten und wichtigsten Prinzipien ableiten kann. 

Wenn es okay mit euch ist… ich möchte meinen Bildschirm mit euch teilen, da sind einige Folien die ich euch zeigen möchte. 

Obwohl oft so gesehen, bedeutet otomo zu sein überhaupt nicht das!

So, zunächst möchte ich einen Mythos über das otomo-Training zerstreuen… Es ist nicht was dieses Bild vielleicht nahelegt, es ist kein untergebener Diener der die Schleppe hinter ihm herträgt während der König einen Gang entlang schreitet – auch wenn du siehst wie ein otomo Bier einschenkt, das Essen bereitstellt, Türen öffnet, wie ein Chauffeur fährt… es geht nicht um den physischen Akt des Dienens, und Danke Shaner Sensei für die Geschichte am Anfang des Trainings, denn otomo-Training ist keine Einbahnstraße, sondern das wahre Geschenk des otomo-Trainings ist ein tieferes Gefühl von Training, aber das Geschenk fließt in die andere Richtung, indem der Sensei auch eine unglaubliche Menge an Dienen an den otomo gibt, das ist eine wunderbare Beziehung. In den nächsten Minuten möchte ich versuchen darzulegen was otomo-Training ist und wie es im täglichen Leben angewendet werden kann, und wie komplex und tief und bedeutsam dieses Training ist. Es ist überhaupt nicht wie dieses Bild, sondern wenn das der Mythos von otomo-Training ist, dann möchte ich sicherstellen, dass ich ihn in dieser Besprechung vertreibe.

Nun, ich wurde in der Werbung ausgebildet, und wenn du in der Werbung ausgebildet bist, denkst du stets in 3 Kategorien. Und ich möchte versuchen, meine Gedanken in solchen 3 Kategorien zu organisieren, was otomo in das tägliche Leben angeht. 

Die erste Kategorie die ich bezüglich otomo-Training anführen möchte ist „Verbindung“ (connection). In dem Buch das Shaner Sensei geschrieben hat, „Living with the wind at your back“, hat er über otomo-Training geschrieben: „Du musst ständig aufmerksam sein in jeder Interaktion und jeder Nuance. Jedoch, du musst dies tun ohne zu starren, und ohne den Leuten ein unangenehmes Gefühl zu bereiten.“ Mit anderen Worten, ich denke du musst einen weiten Blick haben, Shaner Sensei hat das auch am Anfang dieses Vortrages erwähnt, du musst Dinge bemerken ohne ein Tunnelblick zu haben. Wisst ihr, wenn ich Shaner Sensei’s otomo bin und wir ein Seminar beginnen, das erste was ich versuche zu bemerken wenn ich in das Dojo komme… nochmal, ich versuche nicht auf irgendetwas zu starren, ich versuche nur zu bemerken, ist da das Shokushu-Buch, ist da Wasser, sind da Stühle für die älteren Lehrer, liegt Shaner Sensei’s Lesebrille bereit, die Unterlagen die er gerne in der Nähe der Shomen hat, ist da ein Whiteboard, Stifte und Schwamm… du willst dem gastgebenden Dojo keine Unannehmlichkeiten bereiten weil sie diese Dinge nicht haben, aber du willst auch im voraus die Bedürfnisse von Shaner Sensei beachten. Also noch einmal, du versuchst jede Nuance zu bemerken, ohne Leuten Unbehagen zu bereiten… und die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Also, es ist aufmerksam sein aber nicht starren. Was das bedeutet, was hier interessant ist, beim Bemerken jeder Interaktion und jeder Nuance… nun, das klingt sehr nach dem 3. Level von Körper/Geist-Bewusstsein (der obersten Skizze in Bild 1), weil… ihr könnt euch bestimmt vorstellen, zu versuchen alles mitzubekommen, aber nicht deine ganze Aufmerksamkeit davon bestimmen zu lassen… Ich denke eine der wundervollen Sachen von otomo-Training ist es, dass es dich wirklich zwingt in eine Geisteshaltung des 2. Levels zu kommen, das heißt du bemerkst die einzelnen Dinge, aber du haftest nicht an ihnen, so dass du frei bist weitere zu bemerken, alles zu sehen, auch den Sensei, sicherzustellen dass er im Zentrum deiner Aufmerksamkeit ist, aber du musst auch alles drum herum sehen. 

Als wir in Japan trainiert haben, ich erinnere mich wie Ohara Sensei eine Geschichte erzählt hat: „Stell dir vor du bist in einem Zweikampf, und ihr habt scharfe Klingen, und ihr steht euch gegenüber, und dein Fokus ist zu 100% auf deinem Gegner, aber wenn du die Vögel im Hintergrund nicht hören kannst – dann bist du tot.“ Ich denke das ist eine wunderbare Geschichte, die sagt ja du musst fokussiert sein auf das was vor dir ist, aber du musst dir auch vollständig bewusst sein was im Ganzen passiert, um auf deinem höchsten Niveau agieren zu können. 

Ein weiterer wichtiger Punkt von „Verbindung“ der sich auf das otomo-Sein bezieht, ist in der Lage zu sein gut zuhören zu können. Es gibt ein tolles Buch, ich bin sicher viele von euch haben es gelesen, „The 7 Habits of highly effective people“ (Anm. d. Ü.: in D erschienen als: „Die 7 Wege zur Effektivität“), und der Autor erörtert die 5 Level des Zuhörens. Die sind so gut, ich bin sicher es wird euch gefallen, besonders jetzt da wir alle auf engem Raum zusammen leben…

Das 1. Level des Zuhörens ist klassisch, und wenn ihr Eltern seid werdet ihr genau wissen wovon ich spreche, ist das Ignorieren. Du hörst da passiert etwas im anderen Raum, und du weißt es ist nichts Gutes, aber du ignorierst es in der Hoffnung, dass es einfach verschwindet. Du willst dich nicht darum kümmern, du ignorierst es einfach. Das ist Level 1, wie ein Verteidigungsmechanismus für Eltern. 

Das 2. Level ist Vortäuschen. Stellt euch vor ihr habt ein Gespräch, und ihr seid immer nur „aha“, „hmm“, „ja..“, und wieder, wir sind alle Eltern, und dieser Dreijährige, der immer nur plappert, und plappert, und… Und ihr sag immer nur „aha“, „ja…“, „ich denke auch“, … Also, Vortäuschen ist ein weiteres Level des Zuhörens. 

Und das 3. Level ist selektives Zuhören. Das ist es was wir alle machen, wenn wir in diesen langen Konferenz-Calls sind, im Geschäft, wir hören irgendwie zu, und wenn dann ein Thema kommt, das uns wirklich interessiert, dann hören wir genauer zu. Sehr selektiv bezüglich was wir tatsächlich hören. 

Das 4. Level ist denke ich faszinierend, und darauf sollten wir immer achten, ist „autobiografisches“ Zuhören. So stellt euch vor ihr seid mit jemand in einem Gespräch, und ihr fragt „Hey, was machst du während du nur zu Hause bist“ und der sagt dann „nun, ich schreibe tatsächlich ein Buch…“ und ihr gleich „oh, ich schreibe auch ein Buch…“ Nun, was ihr gerade gemacht habt, ihr habt das Gespräch komplett übernommen, ihr habt es „autobiografisch“ gemacht. Also obwohl ihr zuhört was der andere sagt, habt ihr im Grunde die Konversation wieder zu euch zurückgelenkt. Das passiert sehr oft. Und es sehr interessant darauf zu achten. 

Das letzte Level des Zuhörens ist Empathie, einfühlendes Zuhören. Wenn du wirklich zu 100% einer anderen Person zuhörst. Und ich denke das ist das Level des Zuhörens, wenn es um otomo-Training geht, und sich mit jemandem tief zu verbinden, das ist das Level des Zuhörens das hier von Bedeutung ist. 

Also das ist die erste Kategorie… die Verbindung. Die zweite Kategorie die ich mit euch teilen möchte, ist Rhythmus. Ihr habt das, vor allem im Aikido Training oft gehört, wir trainieren das sehr oft… eine der Komponenten von Rhythmus in Bezug auf das otomo-Training ist „Sei nie zu spät!“. Und wenn ihr an einige Übungen im Aikido denkt, irgendwelche irimiÜbungen, wenn du angreifst mit shomen uchi, oder yokomen uchi, und die Technik ist eine irimi-Technik, wir machen tatsächlich solche Übungen, wo du sagst „jetzt“, nicht wenn er physisch anfängt die Hand zu heben, sondern wenn du sein Ki wahrnimmst. Also du bewegst dich, wenn sich das Ki bewegt, und wieder, Shaner Sensei erwähnt das in seinem Buch: „Dieses Training hat einen kumulativen Effekt und trainiert dich die Dinge klar zu „sehen“ durch deine Ki-Ausdehnung… und nicht nur durch deine physischen „Augen“…“ Wenn du in deinem otomo-Training nur die physischen Dinge sehen würdest, dann ist die Wahrscheinlichkeit zu spät zu sein wesentlich höher, tatsächlich wirst du jedes Mal zu spät sein. Du erhältst deine Hinweise nur aus physischen Bewegungen. Du musst dich wirklich komplett ausdehnen und Ki spüren, um dann entsprechend zu handeln. Ich denke das ist Rhythmus… Rhythmus verstehen über die Bewegung von Ki, und nicht durch physische Bewegung, ist entscheidend. 

Mein Vater wird älter, und er hat große Probleme sich zu bewegen, und zum Beginn der Pandemie, sie waren in South Carolina, Anfang März, und meine Mutter machte sich wirklich Sorgen, denn mein Vater konnte sich nicht gut bewegen, und sie musste die 12 Stunden fahren von dort nach New Jersey, und sie sagte „Rich, ich brauche hier wirklich Hilfe.“ Und so sagte ich „Okay, ich werde runterfliegen“, one-way nach Charleston fliegen, und ich holte sie ab und wir fingen an zu fahren… es war eine solch wundervolle Gelegenheit, für meinen Vater otomo zu sein… Er konnte Dinge nicht tun, und er ist ein sehr stolzer Mann, und auch wenn sein Geist noch zu 100% da ist, aber sein Körper ist vielleicht nur noch 10% von dem was er mal war… Nun, ich musste so sein, dass er nicht fragen musste, weil er nicht fragen würde, er ist ein stolzer Mann, er wird nicht um etwas bitten, aber wenn du dich öffnest und sein Ki spürst, dann kannst du seine Bedürfnisse vorhersehen. Und wir mussten oft anhalten, ich musste die Gehhilfe rausholen, und wegen dem COVID-Virus musst du aufpassen, dass er nichts anfasst, du musst alles abwischen, du musst sicher stellen, dass da genug Pausen sind, dass er Wasser und Essen hat, das er im Auto bequem sitzt, er muss sich ein bisschen öfter ausstrecken, Toiletten-Pausen waren wirklich wichtig, weil er nicht fragen wird auf Toilette gehen zu können, du musst die Zeichen erkennen, windet er sich auf seinem Sitz herum… da war etwas Tiefgehendes für mich in dieser Beziehung, ich musste auf alle otomo-Fähigkeiten zurückgreifen in dieser Zeit…

Shaner Sensei schreibt in seinem Buch öfters: „bewege dich auf dem „j“ von „jetzt““… das ist das wichtigste, um rechtzeitig zu sein. Ein anderes Zitat von Shaner Sensei ist: „Um Bedürfnisse effektiv vorhersehen zu können, musst du die nötige Geduld haben zuzulassen, dass die Aktionen einer Person deine Handlungen lenken…“ Wenn ich über das Wort nachdenke das Shaner Sensei verwendet hat – Geduld – ich denke das fasst so perfekt alles zusammen was wir in diesen Zeiten brauchen, wir brauchen Geduld, wir brauchen empathisches Zuhören… es ist eine notwendige Fähigkeit in dieser neuen Welt – ich auf diese Weise werden wir das durchstehen, und es ist eine Chance, dies als eine reale Trainingsmöglichkeit zu nutzen. 

Die dritte Kategorie, ist Service. Ich denke, wenn Shinichi Tohei Sensei hier wäre, dann würde er sagen, dass dies der Teil ist in dem du deine Herangehensweise änderst, das ist die geheime Zutat, so verstehst du otomo-Training… und wenn du von Verbindung und Rhythmus sprichst, dann klingen die wie Kriterien für das Aikido Training, und tatsächlich sind sie ja auch genau die Kriterien für Aikido Tests, Verbindung ist ein wesentliches Kriterium für Shodan (1. Schwarzgurt), und Rhythmus ist ein wesentliches Kriterium für Nidan (2. Schwarzgurt)… Aber wenn du dann Service hinzufügst, dann hast du grundsätzlich das Konzept des Trainings verändert. Denn stell dir mal vor du führst eine Aikido-Technik aus, und du machst alles richtig bezüglich Verbindung, und alles bezüglich Rhythmus, aber wenn du nun dein Konzept änderst, und die Aikido-Technik als einen Akt des Service ausführst, stell dir mal vor du würdest durch eine Aikido-Technik deinem ukedienen, wie würde das dein Level der Verbindung, dein Level von Rhythmus beeinflussen? Sehr wahrscheinlich würde es das auf exponentielle Weise zu einer unglaublichen und bedeutsamen Erfahrung zwischen nage und uke machen. 

Shaner Sensei schreibt in seinem Buch auch über das otomo-Training: „Dies ist eine Übung in der Kunst des Service. Zu lernen, deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche umzulenken in den Dienst an Anderen.“ Ich mag dieses Wort „umlenken“, denn manchmal, wenn Leute beschreiben was Aikido ist, dann beschreiben sie es oft als „oh, ich lenke die Power dieser Person um, und lenke sie um zurück zu ihr“. Es ist vereinfacht ausgedrückt was Aikido ist, selbst Leute die niemals Aikido trainiert haben können es so beschreiben. Und irgendwie ist das auch richtig bis zu einem gewissen Punkt… aber wie tiefgreifend ist es zu denken, dass diese tiefgreifende Übung von Service tatsächlich das Umlenken deiner eigenen Bedürfnisse ist, ich lenke nicht die Power meines Partners um, ich lenke meine eigenen Bedürfnisse in den Dienst an Anderen um. Ich denke das ist tiefgreifend. Ich lenke meinen Geist, ich lenke all meine Bedürfnisse, all meine Wünsche, um in den Dienst an jemand Anderem. Auf japanisch heißt es „Zenshin no chikara wo kanzen ni nuku“… du nimmst all deine Power und wirfst sie weg. Und ich denke diese Idee deine eigenen Bedürfnisse und Wünsche umzulenken, ist die Idee dich selbst wegzuwerfen. Dies ist wirklich die Kunst der Selbstlosigkeit, du wirfst dich selbst weg, du wirfst all deine Power weg, und lenkst all das um in den Dienst an Anderen. Was ist otomo-Training und warum ist es eine tiefere Art des Trainings, das erweckt auch erst wirklich zum Leben was es bedeutet wirklich und vollständig entspannt zu sein. Und wenn sich komplett zu entspannen bedeutet, all deine Power wegzuwerfen, dann ist die Kunst des otomo, die Kunst des Service, genau das. Du wirfst es weg und lenkst es um in den Dienst an den Bedürfnissen Anderer. Noch einmal, ich denke das ist tiefes und bedeutsames Training in einer Zeit in der das besonders wichtig ist. 

Es gibt ein Buch, das ich für die Geschäftswelt für sehr wichtig und bedeutsam halte, ein Buch von Simon Sinek mit dem Titel „Leaders eat last“ (Anführer essen zuletzt). In diesem Buch spricht er darüber, wie Führung in der heutigen Zeit anders ist als vor ein paar Generationen. Die Verantwortung des CEO (Geschäftsführer) bedeutet nicht, von den Mitarbeitern bedient zu werden. Die Aufgabe der Mitarbeiter ist es nicht, dem CEO zu dienen. Sondern genau anders herum. Die Aufgabe des CEO ist es, den Mitarbeitern zu dienen. Das ist komplett anders. Und man kann sehen… Firmen und Organisationen, die nicht dieser neuen Art der Führung folgen, sind oft in Schwierigkeiten. „Anführer essen zuletzt“, das ist etwas, das Simon Sinek vom Militär gelernt hat, er hat das Militär und seine Funktionsweise studiert, und ihm ist aufgefallen, dass wenn es Essenszeit war, die Vorgesetzten immer erst warteten, bis alle mit dem Essen fertig waren, bevor sie selbst aßen. Und das unterstrich das grundlegende Prinzip von Service, du kümmerst dich nicht zuerst um dich selbst, sondern deine Verantwortung ist für die Person zu deiner Linken und für die Person zu deiner Rechten. Und durch genau diese Definition wird sich letztlich auch um dich gekümmert. Ich kämpfe nicht für mich, sondern es geht um Menschen die anderen Menschen helfen, die Kunst des Service. 

Shaner Sensei und ich haben einige Male pro Jahr die Gelegenheit mit den Studenten der Citadel zu arbeiten (Anm.d.Ü.: eines der sechs Senior Military Colleges der USA)… und einmal im Sommer, in Charleston/South Carolina, und es war unglaublich heiß, um 40 Grad, und sie hatten die schwarze Flagge gehisst, was bedeutet… Leute, ausruhen, Wasser trinken, kein Rennen… Und das Training, das wir mit den Citadel-Studenten machen, es ist aufgeteilt in verschiedene Stationen, und wir haben nur eine der Stationen, Ki-Aikido Training und Prinzipien der Vereinigung von Geist und Körper, und die anderen Stationen sind sehr aktiv, und heizen die Kids durch die verschiedenen Rund-Kurse, und die sind erschöpft, denn sie starten um 5 Uhr morgens und hören nicht vor 7 Uhr abends auf, und es war Mittagszeit, und ich erinnere mich weil ich davon fasziniert war, es war Mittagszeit, die Kids waren erschöpft und hungrig, und es gab nicht genügend Rationen, und bei der Ausgabe fiel es ihnen auf das sie das falsch geplant haben, und tatsächlich hat es sich dann der Kommandant, der oberste Vorgesetzte, zur Aufgabe gemacht loszuziehen und sich um mehr Essensportionen zu kümmern, und dann hat er sie selbst ausgegeben, einzeln an jeden Studenten der noch nichts hatte. Er hat nicht jemand Anderen losgeschickt das zu tun, es war ja eine sehr körperliche Tätigkeit die leicht jemand anderes hätte tun können, aber er fühlte sich verantwortlich und hat sie selbst bedient, in Übereinstimmung mit ihren Verhaltensregeln. Das hat es für mich wirklich zum Leben erweckt, dass Anführer tatsächlich als letztes essen, das war für mich wahre Führung. 

Noch eine Sache die ich ansprechen wollte, beim Vervollständigen dieser Kategorie des Service, und ich denke es ist einer der wichtigsten Bestandteile, wenn wir über otomo-Training sprechen, und das ist „Otomo-Training ist die Kunst der Selbstlosigkeit.“ „Dein Ziel ist es, in deiner Selbstlosigkeit unsichtbar zu sein.“ Ich hatte ja über Harrell Sensei gesprochen, und seine Fähigkeit, otomo zu sein und du kannst ihn dabei nicht mal sehen, es ist als wenn er da ist und doch nicht da ist, es ist wundervoll anzusehen, und es kommt immer von einem sehr ruhigen Ort, und es kommt von dem wovon im Shokushu „Intoku“ die Rede ist, „Gutes im Verborgenen tun“, „Gutes im Verborgenen zu tun bedeutet, zu handeln ohne nach Aufmerksamkeit und Anerkennung zu trachten, zu handeln ohne irgendeine Hoffnung auf Belohnung.“ Ich denke, wenn wir otomo im täglichen Leben üben, läuft das immer wieder auf diesen Ki-Spruch hinaus, einen Dienst zu erweisen, für den du niemals eine Gegenleistung erwarten würdest. Du tust es auf selbstlose Art, auf eine unsichtbare Art, und ich denke das ist einfach ein so wichtiger Teil des Trainings. 

Nun, ich habe alles geteilt was ich teilen wollte, und Shaner Sensei… ich kann das wieder an dich übergeben, wenn du noch Kommentare hast, und wir können auch noch Fragen beantworten… 

Shaner Sensei: Ich möchte nur vielen Dank sagen, das war einfach eine wunderbare Präsentation, und du hast offensichtlich viel Zeit verwendet sie auf eine sehr organisierte Art vorzubereiten, und ich bin einfach sehr dankbar. Wenn du, Rich, über das 1. Level des Körper/Geist-Bewusstseins reflektierst, dann möchte ich nur anmerken, das ist wie Tohei Sensei lebte, und wenn dann ein Ereignis passiert, dann handelt er einfach entsprechend, und geht dann zurück zum 1. Level, denn das ist seine Basis, das 2. und das 3. Level entsteht daraus. Wir haben die letzten Wochen über diese erweiterte Peripherie gesprochen, ob du eine 2. Level Erfahrung haben kannst ohne Tunnelblick… Hast du jemals eine Erfahrung gehabt, wo deine Verbindung mit einer anderen Person für dich die Charakteristiken des 1. Levels gehabt hat… was einfach reiseishin ist (Anm.d.Ü.: Universeller Geist), es ist wie Tohei Sensei sagt, „du wirst erfahren wie du das Universum bist und das Universum du“, „es wird dich zum ultimativen Glück führen, selbst zu erfahren mit dem Universum eins zu sein“.  Kommt da irgendwas in den Sinn in Bezug auf das otomo-Sein, oder irgendetwas anderes? 

Fryling Sensei: Nun, meine Erfahrung mit otomo war ein Kampf nicht im 3. Level zu sein, und wenn ich mich wirklich auf dich fokussieren kann, und wenn ich es auf eine Art mache die wie das 2. Level ist, dann habe ich die periphere Ausdehnung, habe keinen Tunnelblick, und ich kann die Dinge sehen, einschließlich der Fähigkeit auf das „j“ von „jetzt“ zu bewegen. Ich denke das kann ich tun. Ob dieses 2. Level irgendwann umschaltet in das 1. Level, da bin ich mir nicht sicher. Wenn ich morgens atme, dann bemerke ich, dass ich manchmal in diesem 1. Level sein kann, denn dann verschwindet alles andere einfach. Aber beim otomo-Sein, ich weiß nicht, da ist immer noch eine Intention, du bist da immer noch. 

Shaner Sensei: Ja, da wollte ich irgendwie hin. Deine Rolle ist es, zweckbestimmt bewusst zu sein, von einer spezifischen Aufgabe, so diese Aufgabe kannst du nicht loslassen. Ich frage mich… hier sind Leute im Training, Nathan war kürzlich otomo für mich in Russland, Patrick und du letztes Mal in Japan, John Poppele und Matt Deutsch-Kidder waren auch schon otomo für mich in Russland und Europa, Harrell Sensei in Russland und Europa, so ich bin nur neugierig, von all den Leuten die schon otomo Erfahrung haben, habt ihr Kommentare oder Fragen für Rich, oder wollt ihr was aus eurer Perspektive hinzufügen? 

Nathan: Hallo Euch allen. Fryling Sensei, was du gesagt hast resoniert wirklich in mir und es ist eine gute Erinnerung. Ich habe in Russland wirklich viel darüber gelernt… je mehr ich daran denken kann, dass diese Erfahrung otomo zu sein etwas ist, für das ich sehr dankbar sein sollte, umso einfacher ist es für mich dem 3. Level Bewusstsein fernzubleiben, dem Affen-Geist einfach fernzubleiben, welcher alles nur zu einer schlechten Erfahrung für alle macht. Sich zu erinnern, dass es um Service geht, sich zu erinnern, dass dies eine Chance ist die macht einfach nur nutzen sollte, machte es zu einer erfreulichen Erfahrung, wahrscheinlich in beide Richtungen, half mir viel mehr zu lernen, und half mir die richtige Perspektive und Aufmerksamkeit zu haben. 

Shaner Sensei: Ja, vielen Dank, Nathan. Danke. Hat noch jemand einen Kommentar, oder eine Frage für Rich?

Lesley: Ich habe Probleme mit dem Thema otomo, einfach weil ich versuchte mich dem zu nähern ohne so zu denken wie du das in dem Cartoon gezeigt hast, wo der Diener den Umhang des Königs trägt. Und so vieles was du beschrieben hast, klang für mich einfach nur wie radikale Gastfreundschaft, vielmehr als „servitude“ (Knechtschaft/Dienen). Nun, mich würde nur interessieren, ob du irgendetwas in dieser Richtung sagen könntest…

Fryling Sensei: Ich denke, und Shaner Sensei kann hier gerne einspringen wenn er will, ich denke Gastfreundschaft ist eine Komponente des Dienens, in jeder Ausprägung. Ich denke aber die Kunst des Service geht tiefer, aufgrund dessen was du mit dir selbst tust. Mit anderen Worten, du legst das Ego beiseite um Raum zu schaffen für all die Geschenke die ein Lehrer geben kann… Und glaub mir, wenn dafür keinen Raum lässt, wirst du es nicht bekommen… es gibt keinen Raum wohin es kommen könnte, da sind keine Öffnungen durch die es reinsickern könnte. Und ich denke das ist einfach einer der wichtigsten Punkte, dich einfach aus der Gleichung rauszunehmen, so dass all das Großartige sehr tief reinsinken kann…  

Shaner Sensei: Ich wollte Harrell Sensei fragen, da er hier öfter erwähnt wurde, ob er vielleicht einen Kommentar hat, er ist ein Genie wenn es darum geht die minimale Anzahl an Wörtern zu finden um eine Aussage zu machen, ich habe ihn früher sagen hören „Weißt du, sind verwirrt über otomo, sie sind definitiv im 3. Level, und sie gehen durch die ganze Liste der Dinge die man tun und nicht tun soll, und dann drehen sie einfach durch…“ Und dann sagte Harrell Sensei, „Weißt du, es ist wirklich einfach, versetze dich einfach an die Stelle der anderen Person. Das war’s.“  So, möchtest du das kommentieren, Harrell Sensei?

Harrell Sensei: (lacht) Hmm, das fasst es gut zusammen. Ich habe niemals jemanden das Wort „Servitude“ (Knechtschaft) benutzen hören… oder, ich sollte das so nicht sagen, ich habe niemals meine innere Stimme das Wort „servitude“ nutzen hören… Service ist kein schlechtes Wort – ich versuche meinen Mitmenschen in der Welt zu dienen, ich diene meiner Familie, viele von uns arbeiten im Service. Nun, ich schätze ich verstehe einfach nicht warum wir dem otomo-Training ein negatives Vorzeichen verpassen. Auf die eine Art kannst du es als den eigennützigsten aller Akte sehen, weil du hier das meiste lernen kannst, weil du am dichtesten rankommst… das ist keine sehr positive Art das zu betrachten. Für mich ist es essentiell für das Aikido Training, weil es genau das ist, es ist letztendlich sich selbst an die Stelle der anderen Person zu versetzen… das ist eines unserer grundlegendsten Prinzipien. So… das waren nicht annähernd so wenige Worte wie ich gerne benutzen würde, aber vielleicht… Kaicho Sensei sagt gerne „unser Konzept ändern“, über das was otomo-Training ist. 

Shaner Sensei: Ja, exzellent. Nun, die Stunde ist fast um… ich wollte noch anmerken, die letzten drei Stunden hatten wir betitelt „Den Unterschied bemerken: …“ und was auch immer dann das Thema war. Ich möchte nur alle daran erinnern, dass Kaicho Shinichi Tohei Sensei sich so viel Mühe gibt uns ganz klar zu vermitteln, und er sagt es immer und immer wieder, und das ist: „Wenn du den Unterschied erfahren kannst, im Unterricht, habe ich den Onepoint, oder nur fast?“ Er wird dann sagen „Tiefer!“ „Noch ruhiger, noch ruhiger, tiefer…“  Es geht darum den Unterschied zu bemerken. Darum, nimm dieses Training, den Unterschied zu bemerken, wie schaust du, wie ist überhaupt dein Blickfeld, steckst du fest, hast du Tunnelblick, oder… kannst du fühlen, dass dein Körper wirklich entspannt ist… du hast ganz natürlich Onepoint… ganz natürlich ist das Gewicht an der Unterseite… ganz natürlich fließt das Ki, du musst nichts tun, wenn du nur einfach aufhörst dir selbst im Weg zu stehen. Und es ist wirklich eine Herausforderung, wenn du versuchst dir selbst nicht mehr im Weg zu stehen, und die Bedürfnisse Anderer an die erste Stelle zu setzen… Aber, es ist eine super Trainingsmethode, weil du es musst, es zwingt dich regelrecht zu sagen „es geht hier nicht um mich, mach die Teeschale leer“, und nutze den erweiterten Blick um die Hilfe zu erhalten die du brauchst, für was auch immer gerade ansteht, ganz wie in dem Saikontan-Spruch: „Nur wenn ein Ereignis stattfindet, beginnt eine Person zu arbeiten…“ Du wartest, das ist die Geduld von der Fryling Sensei sprach. Du lässt die Welt zu dir kommen, und handelst entsprechend… da ist kein Raum für dich Staub auf deinem Spiegel zu haben, oder du wirst zu spät sein. Tohei Sensei sagte immer „Bewege dich auf dem „i“ von „ima“!“ „Ima“ bedeutet „jetzt“, also bewege dich auf dem „j“ von „jetzt“, oder wie auch immer das in deiner Sprache heißt. Es bedeutet: Sei nicht zu spät!

Wie auch immer… Vielen Dank nochmal an Fryling Sensei dafür, dass er sich die Zeit genommen hat das für uns alle vorzubereiten, es war wundervoll gemacht. Und… ich schaue hier nur auf den Bildschirm – es ist so toll so viele Gesichter von so vielen Orten zu sehen, aus der ganzen Welt, in all den verschiedenen Zeitzonen… 

So, vielen Dank euch allen, ich schätze es sehr… Domo arigato gozaimashita!

Hier ist der Link zum Youtube-Video (auf Englisch)