Bekämpfe nicht die Dunkelheit… Mach einfach das Licht an!

— von Christopher Curtis (Übers.: Olaf T. Schubert) —

Hawaii Ki Federation – Omiki Seminar Q&A, Kauai November 2019 

Guten Morgen!

Schüler:  Guten Morgen, Sensei.

Dies ist unser Omiki Seminar 2019 auf Kauai. Es ist so schön nach so langer Zeit wieder ein Seminar hier auf Kauai zu haben. Ich hoffe ihr genießt es genauso wie ich hier zu sein. Natürlich setzen wir die gleiche Praxis fort die uns Koichi Tohei Sensei gegeben hat, und die Shinichi Tohei Sensei in den letzten 20 Jahren für uns immer weiter verfeinert und verbessert hat. Jedes mal wenn ich ihn sehe unterrichtet er im Grunde das gleiche, aber besser, nicht wahr? Und so wird es die ganze Zeit immer weiter und weiter verfeinert.  Es ist erstaunlich weil, nun, ich begann mein Training mit Suzuki Sensei und Koichi Tohei Sensei vor langer Zeit in den frühen 70ern. Über die Jahre hat sich natürlich auch deren Unterricht immer weiter und weiter verfeinert, und als dann Tohei Sensei starb und mein Lehrer Suzuki Sensei starb, dachte ich „Was wird nun geschehen?“ Aber mit Shinichi Tohei Sensei ging es für uns nahtlos weiter.

Wenn ich sage der Unterricht wird immer noch weiter verfeinert, dann meine ich dass es immer die gleichen grundlegenden Prinzipien sind um die es geht, aber im Laufe der Zeit werden diese immer leichter verständlich, für Praktizierende auf allen Levels. Im nächsten Jahr, 2020, wäre unser Gründer Koichi Tohei Sensei 100 Jahre alt geworden, und ich weiß er wäre sehr glücklich und stolz auf euch alle, weil wir das weiterhin praktizieren, und entdecken wie wir es dem Universum erlauben können durch jeden von uns zu wirken, auf und außerhalb der Matte.

Wie uns immer und immer wieder auffällt ist es unsere Angewohnheit, die Umstände, Menschen und Dinge in unserem täglichen Leben manipulieren und kontrollieren zu wollen, ebenso wie wir es auf der Matte tun. Wir sind einfach gewohnheitsmäßig kontrollsüchtig. Wir sind so, weil wir meinen die “Macher” von allem zu sein und wir noch mehr tun müssen, um Erfolg und Freude in unserem Leben zu kontrollieren und zu mehren, sowie Versagen und Unannehmlichkeiten aus unserem Leben zu beseitigen. Das ist okay. Ich denke das muss es sein, denn es wird so oder so nicht aufhören. Aber dies ist sicher nicht unsere höchste Art zu leben, oder? 

Und dennoch, die meisten Menschen leben ihr Leben so. Natürlich gibt es einen gewissen Grad von relativer Kontrolle, abhängig davon welche Vorteile im Leben ihr eventuell geerbt habt. Da ist der Vorteil von Reichtum. Da ist der Vorteil des Standortes. Da ist der Vorteil der Rasse, und sogar der des Geschlechts. Wir können relative Experten werden im Sport, Business, Medizin, oder anderen Beschäftigungen. Ihr könnt sogar Experten in Aikido werden, in den Aikido-Bewegungen, der Aikido-Philosophie, der Aikido-Geschichte. Ihr könnt all dieses Wissen erlernen und darüber reden, jedoch, in diesem Moment, könnt ihr frei sein von all den Informationen die ihr glaubt zu sein?  Könnt ihr frei vom Kontrollieren sein, und könnt ihr effektiv zu dieser Erfahrung frei zu sein hin deuten, zum Nutzen eines anderen Menschen? 

Gut, das war also das Thema unseres Seminars. Das Mikrofon gehört euch. Bitte sprecht zu mir ohne Bedenken zu haben. 

Schüler: Sensei, Ich habe keine Frage, sondern wollte nur sagen, ich erinnere mich an mein erstes Seminar mit dir, und ich erinnere mich an deine Worte „wir leben in einer perfekten Welt“.

Ja.

Schüler:  Nun, auch wenn ich es damals nicht komplett verstanden habe, so habe ich es doch an die Veteranen in meiner Gruppe weitergegeben. Einige der Veteranen haben es aus ihrer jeweiligen Sicht verstanden, aber ich habe es nicht komplett verstanden. Du hast vorhin davon gesprochen zu einem Seminar zu gehen, und wie es fast immer Wiederholungen sind. Das Gleiche immer und immer wieder. Und dennoch, es wird immer weiter verfeinert, weiterentwickelt. Und so gehe ich nun zu den Seminaren, und denke über diese „perfekte Welt“ nach, und dann sprachst du gestern darüber nichts zu tun und nur zu sein. Ich habe darüber nachgedacht. Ich habe zu mir gesagt „das ist eine perfekte Welt!“, wenn du nichts tust, nur bist, und das ist eine perfekte Welt. Danke dafür.

Nur jemand der in einer nicht-perfekten Welt lebt muss diese verbessern. Wenn wir sehen, dass Dinge in unserer Welt nicht in Ordnung zu sein scheinen, fühlen wir den Drang die Dinge richtig zu stellen. Das ist natürlich. Natürlich wissen wir, dass Menschen in dieser Welt leiden. Können wir einfach zulassen, dass jemand verhungert, verprügelt wird, oder unfair benutzt wird? Nein, natürlich nicht. Das ist überhaupt nicht was damit gemeint ist. Veränderung, Evolution, geschieht bereits und du bist bereits ein Teil davon. Bemerke einfach was du wahrnimmst, was du fühlst, und was du tust, und lass all das mit Wohlwollen geschehen. In dieser perfekten Welt geht alles immer weiter, in jedem Fall. Veränderungen passieren, die Evolution läuft weiter, Handlungen finden statt. Jedoch, menschliches Leid findet immer dann statt, wenn wir versuchen die Veränderung selbst zu verändern. Verstehst du?

Diejenigen, die in unserer Geschichte als wahre Meister hervorstechen, wie Suzuki Sensei oder Koichi Tohei Sensei…nun, vielleicht würdet ihr sie nicht in einem Satz nennen mit Menschen wie Gandhi, zum Beispiel, aber ich würde das schon tun. Jemand muss nicht 10 Millionen Anhänger haben um wahr zu sein. Diese Männer verstanden beide was es bedeutet, der Evolution zu erlauben durch sie hindurch zu wirken, ohne mit ihrem eigenen kleinen Geist zu versuchen zu verändern was stattfand.  Und genau so passiert jede Veränderung, wahrnehmen, und hier sein für das Wahrnehmen, präsent sein. So funktioniert Evolution. Oh, das Böse kann nicht bestehen im Angesicht dieses Gewahrseins. Es kann nicht. Es kann nicht. Die Leute haben Probleme mit Politikern die lügen. Aber sind sie sicher, dass sie selbst komplett wahrhaftig sind? Dies ist ein Spiegel-Universum, also was sollten wir erwarten wenn wir einander anschauen? Wenn wir kritisieren und kämpfen, dann ist das Dunkelheit gegen Dunkelheit. Deswegen gibt es so viel Kampf. Das ist alles ein großer Haufen Verwirrung, und es ist nicht an uns da aus Frustration mitzumachen.

Offensichtlich halte ich Koichi Tohei’s Lehre für sehr wichtig. Und dennoch, je älter ich werde, umso mehr realisiere ich, dass seine Art zu leben nicht allgemein bekannt ist. Wie Koichi Tohei Sensei sagte: „Dieser Weg ist im öffentlichen Leben nicht bekannt.“ Natürlich gibt es wohlgesinnte Menschen mit großen Herzen, die unbedingt und wahrhaft anderen helfen wollen. Unglücklicherweise jedoch, letztendlich, ist niemand die Quelle der Hilfe für irgendjemand. Es gibt keine Schule wo du hingehen könntest und die dir beibringen würde wie das geht. Nun, ja, du kannst zum Aikido kommen, aber es ist nicht sehr bekannt, und es ist nicht so einfach dann noch die Art von Aikido zu finden, Tohei Sensei’s Aikido, die das betonen würde. 

Schüler: Diese Seminare sind Wiederholungen, und dennoch so verschieden jedes Mal. Mir fällt auf, so wie ich mich verändere so verändern sich die Seminare. Als ich anfing auf Seminare zu gehen, ging es mir um die Kameraderie und die Freundschaften und diese Dinge, und dann mutierte das irgendwie zu, okay, wie werde ich besser, zu jetzt, wo es ist wie du sagtest, es geht nicht ums Tun, sondern mehr darum ob man sich selbst akzeptiert, so wie man gerade ist? Das ist für jeden schwierig. Ich weiß für mich ist es sehr schwer. Ich denke, das Training legt das für uns irgendwie schichtweise offen. Es ist eine Frage der Zeit. Es ist wie das Schälen einer Zwiebel. Es wird subtiler und subtiler. 

Ja, wir lernen uns nicht selbst im Weg zu stehen. 

Schüler: Wenn ich sitze, ist da eine Menge Imagination im Gange.

Meinst du wenn du meditierst?

Schüler:  Ja, Sensei. Nun, da ist Imagination von dem was ich sehe. Du sagst oft wir müssen sehen was gerade im Gange ist, aber in meinem Fall, stelle ich mir das oft bildlich vor. Auf diesem Seminar hast du davon gesprochen das Dojo auszufüllen, den Raum auszufüllen, wie auch immer, und so habe ich mir irgendwie gedacht, dass ich mir das vorstellen kann das Dojo mit meiner Präsenz auszufüllen. Aber das ist nicht das wovon du hier sprichst, oder? Ist all das irgendwie ein Produkt unserer Imagination? 

Oh, ich verstehe was du meinst. Nein, es ist überhaupt nicht das. 

Schüler:  Siehst Du? Deswegen, denke ich, frage ich nach einer Art Bestätigung. Du sprichst von unserem Gewahrsein und nicht von unserer Vorstellung, ja?

Wenn wir Ki Meditation üben, Shuchuho und Kakudaiho, weißt du, dann sagen wir immer, dass diese beiden Erfahrungen, Konzentration und Ausdehnung, das gleiche sind. Größer, größer, größer und kleiner, kleiner, kleiner, sind das gleiche. Das Makrokosmische und das Mikrokosmische sind Gegensätze, relativ zu einander, aber, wie Tohei Sensei sagte, sie sind das gleiche in unserer Erfahrung. Das ist eine wirklich gute Übung, um sie jeden Morgen zu praktizieren und uns so zu helfen, die bloße Imagination hinter uns zu lassen. Ich habe das anfangs in meinem Training noch nicht so wertgeschätzt, besonders da mein eigener Lehrer die Ki-Atmung so sehr betont hatte, deswegen habe ich die meiste Zeit mit Ki-Atmung verbracht. Und dann habe ich erkannt, dass diese Form der Meditation das gleiche ist wie Ki-Atmung. Geistig erschienen sie mir gleich, weil, zu dieser Zeit übte ich bereits Universelles Atmen, bei welchem das Universum gefüllt wird wenn ich ausatme und dann das ganze Universum in meinen Onepoint (den Einen Punkt im Unterbauch, Anm. d. Übers.) gebracht wird wenn ich einatme. Also, was ist der Unterschied zwischen dem und Ki-Meditation? Dies ist die Definition von Ki-Meditation. Das Gefühl der Ausdehnung und der Konzentration, das Gefühl des Ausatmens und des Einatmens, ist das gleiche. 

Vielleicht hilft uns das zu erkennen, dass die Erfahrung hier zu sein, genau hier in unserem Selbst, und dann überall zu sein, die gleiche ist, und vielleicht fangen wir dann an das in unserem Üben zu bemerken. Onepoint ist das Zentrum dessen was wir „das Universum“ nennen, und das ist eine Erfahrung, es ist wahr. Es ist kein Ding, kein relativer Fakt. Wenn du stirbst, wirst du das wissen, weil dann keine Fakten mehr übrig sind. Aber lasst uns dies lernen, lasst uns dies erfahren, bevor wir sterben, jetzt, und nicht warten bis wir sterben. Weißt du, manche sagen du musst erst sterben, und dann kannst du später glücklich sterben, wenn der Körper stirbt. Du willst nicht sterben ohne das bereits jetzt erfahren zu haben. Diese „Erfahrung“, von der ich hier spreche, ist die Erfahrung überall zu sein, und das Zentrum von überall zu sein, alles auf einmal. In diesem Sinne meint „Erfahrung“ einfach „direkt wissen was ist“. Das ist weit jenseits von Imagination. 

Das ist komplett ruhig zu sein, wie in Gewicht an der Unterseite. Das ist zu erfahren wie das Gewicht jedes Atoms in unserem Körper natürlicherweise in seinem ursprünglichen, stressfreien Zustand liegt. Wir sagen „Gewicht an der Unterseite“, aber es ist einfach ein Ganzkörpergefühl das in jedem Atom unseres ganzen Körpers ist. Im Japanischen ist Tohei Sensei’s drittes grundlegendes Prinzip nicht „Gewicht an der Unterseite“. Es ist „Ruhe“. Irgendjemand im Westen hat das als „Gewicht an der Unterseite“ übersetzt und es ist so hängengeblieben. Diese Aussage „Gewicht an der Unterseite“ funktioniert gut, weil sie auf „Natürlichkeit“ rückschließt, und irgendwann fangen wir an zu sehen, dass das ganze Universum Gewicht an der Unterseite hat, nicht nur ich. Das ganze Universum ist natürlicherweise Gewicht an der Unterseite. Das ist die ultimative Ruhe. 

Schüler:  Danke, Sensei.

Schüler: Hallo, Sensei. Dies bezieht sich auf etwas was jemand anders gesagt hatte. Er berichtete, dass er in seiner Ki-Atmung manchmal feststeckt, so wie wir oft in unseren Köpfen feststecken. Das passiert während wir zu Hause sind, alleine, und das üben, weißt du, und ich habe Schwierigkeiten damit anzufangen und wieder aufzuhören. Was ich meine ist, nehmen wir an wir sitzen mit dir so wie jetzt hier im Dojo, und ich erfahre definitiv dieses Gefühl des Einsseins. Aber dann, sobald ich irgendwo anders hingehe, ist es bereits verschwunden, und ich muss versuchen es irgendwie wieder zu starten. Ich sage mir immer, dass ich daran denken muss, wenn ich morgen zurück ins Dojo gehe, dann das Gefühl beizubehalten als wenn wir so wie jetzt mit dir sitzen. Aber aus irgendeinem Grund fällt mir das ein wenig schwer. Wie geht das… ist es mehr Sitzen? Oder ist es einfach öfter im Dojo zu erscheinen? „Beides“, denke ich, ist wahrscheinlich die Antwort, aber ich weiß es nicht. 

Ja, ich denke es ist all das.

Es ist im Dojo erscheinen, und sitzen und sitzen und sitzen, und dann noch mehr im Dojo erscheinen. Wenn du nicht all das tust, wenn du nicht jede Möglichkeit wahrnimmst die sich dir bietet, dann kannst du dich nicht wirklich beschweren dass du damit Schwierigkeiten hast. Sieh mal, es ist nicht, dass ich nicht auch manchmal faul war. Ich bin mir sicher ich war das. Aber ich ging zu jedem Seminar, ich ging zu jedem Training, ich saß jeden Morgen, ich tat alles was ich konnte… ich las jedes Buch. Ich dachte ich tat alles was ich konnte, und dennoch wusste ich nicht was vor sich ging. Dennoch konnte ich nicht verstehen was Suzuki Sensei versuchte mir beizubringen. In all den Jahren, Jahr um Jahr um Jahr, sagte er mir nur „Nein, nein, wie kommt es, dass du nicht verstehst, ich habe dich unterrichtet, es ist genau hier, kannst du es nicht sehen?“ Wir müssen also auch geduldig sein. Es kann Zeit brauchen. 

Diese Art der Praxis ist sehr schwierig. Ich fühle das komplett mit. Aber wir müssen es dennoch tun! Ich fühle mit, aber…. bitte, nutze jede Gelegenheit, und ich verspreche dir eines Tages wird es sich dir eröffnen. Gehe zum Dojo. Sitze. 

Ich habe heute eure Ki-Atmung beobachtet. Einige von euch haben große Schwierigkeiten mit der Ki-Atmung. Ja, ich weiß dass es für euch schwierig ist morgens Ki-Atmung zu üben, alleine. Vielleicht habt ihr diese Gewohnheit noch nicht. Okay, ich sage nicht ihr müsst irgendetwas tun. Ich meine es ist euer Leben. Ihr werdet tun was ihr tun werdet. Wenn ihr jedoch dieses Gefühl erfahren wollt das ihr habt wenn ihr mit mir seid, auch zu anderen Zeiten, wenn ihr die Straße entlang fahrt, oder auf der Arbeit, oder mit eurer Familie, dann müsst ihr bezüglich der Praxis unnachgiebig sein.

Schüler:  Okay, das verstehe ich.


Schüler: Sensei, kannst du etwas sagen zum Verhältnis von Reiseishin und Taiga?

Das Verhältnis zwischen Reiseishin und Taiga? Nun, diese kann man sehen als zwei Arten das gleiche zu sagen. 

Schüler:  Okay.

Was du schon vermutet hattest, denke ich, wenn du es nicht sogar schon wusstest.

Schüler:  Okay

Aber um etwas genauer hinzuschauen, im Japanischen haben die Schriftzeichen natürlich mehrere Auslegungen und Implikationen, die wir die wir nur Englisch sprechen oft nicht durchschauen. Selbst die Wörter “Reiseishin” und “Taiga,” wenn sie so in Romaji geschrieben werden, sprechen uns verschieden an. “Taiga” besteht aus “tai” oder “dai,” was “groß” ist, und “ga”, was “selbst” ist. Also “taiga” bedeutet “großes Selbst”, oder wie wir manchmal sagen “universelles Selbst”. Reiseishin ist eine andere Art universelles Selbst zu sagen. Es ist jedoch ein wenig mehr rei-isch… will heißen mehr Gott-ähnlich (god-like)… oder göttlich (divine). Koichi Tohei Sensei hat das Wort “Gott” nicht oft benutzt, aber er sagte durchaus „göttlich“ (divine). “Reisei-shin”, oder “reisei-Geist”, ist ein wenig mehr heiliger Geist, oder ein wenig mehr göttlicher Geist, als „Taiga“. Verstehst du? “Taiga” ist eher eine Bezeichnung für den Zustand des Absoluten. „Reiseishin“ könnte dich bitten ein bisschen tiefer zu schauen in die Natur des Großen Selbst, von Taiga, dem Absoluten. Übrigens,“sho-ga” heißt dann natürlich „Beginnendes Selbst“, oder „Kleines Selbst“. Tohei Sensei hat „shoga“oft nur als “Selbstsüchtigen Geist“ übersetzt.

Schüler: Ich habe eine Frage. Nun, wir machen Sokushin no Gyo auf jedem Seminar, und… wie wir da durch gehen, und wenn wir dann zu dem Teil kommen in dem du die Worte auf Japanisch sprichst, das Norito, dann wünschte ich mir ich wüsste in Englisch was gesagt wird, damit ich mich damit verbinden kann.

Unser Sokushin no Gyo Spruch ist “to ho ka mi e mi ta me.”  Dies bedeutet wörtlich “Schwert, Spiegel, Kristallkugel”. Wir sagen “Mit dem scharfen Schwert meines Willens, durchstoße ich das Spiegel-Universum, und poliere meinen Charakter wie eine Kristallkugel.“ Norito, der Text den ich am Ende lese, ist ein wenig wie diese selbe Sache immer und immer wieder zu sagen. 

Schüler: Okay. Jedes mal wenn ich das höre, denke ich dass ich gerne wüsste was da gesagt wird um zu verstehen und verbunden zu sein mit dem was gesagt wird. Weil für mich, ist es wie mit der Hawaiianischen Sprache, das Sprechen der Gebete, es ist interessant aber ich kenne nicht die englische Version. Es klingt schön und alles, aber ich verstehe es nicht, und daher kann ich mich nicht verbinden mit dem was gesagt wird. Ist es möglich eine englische Version mit der Bedeutung zu bekommen?

Ja. Die englische Übersetzung ist im Internet verfügbar. Alles ist im Internet heutzutage. 

Lass mich das so sagen: Du solltest wissen, wenn religiöse Menschen über Dinge wie „das Universum“ sprechen, sagen sie Wörter wie „Gott“ oder „Jehovah“. Natürlich gibt es viele Namen, aber wenn man diese Namen nennt, kann es klingen als wenn man Dinge meint die verschieden sind von diesem, genau hier, jetzt, nicht wahr? Es kann klingen als wenn es sich auf etwas da draußen irgendwo bezieht. Als ich ein kleiner Junge war, und meine Eltern mich zum Religionsunterricht schickten, redeten die Pfarrer als wenn dort tatsächlich ein alter Mann in den Wolken wäre, in irgendeiner Ecke des Himmels. 

Solche Namen zu benutzen kann sehr irreführend sein, aufgrund der Möglichkeit einer konditionierten Anschauung aus unserer Vergangenheit, deshalb mag ich das eigentlich nicht. Ich habe nichts wirklich dagegen, aber ich ziehe es vor „das Universum“ zu sagen, weil sich das für mich so klar auf alles genau hier bezieht. Und wenn du es dann so hörst, dann beginnst du vielleicht irgendwann zu erkennen „Oh ja, dieses Taiga bin ich.“ “Universelles Selbst” bin ich. Es ist nicht nur Tohei Sensei, oder Jesus oder Buddha. Wir sind alle exakt gleich, hinsichtlich unseres grundlegenden Anspruchs auf Dieses. Selbst Jesus sagte wir sind alle gleich, du bist ich, du bist das gleiche wie ich, du bist der Sohn. Jedoch, Sohn, Vater, Mutter, auch das sind Namen. Noch einmal, sei vorsichtig, weil diese Dinge sehr irreführend sein können. 

Wahrscheinlich könnte ich das Norito in Englisch lesen, aber ich glaube nicht, dass es im gleichen Fluss über die Lippen kommen würde. Ich glaube wir mögen dies in Japanisch. Mein Lehrer, Suzuki Sensei, bat mich zu lernen es zu lesen. Ich brauchte mehr als fünf Jahre es zu lernen. Tatsächlich lerne ich immer noch. Ich werde es euch vorlesen bis ich sterbe, weil ich so lange brauchte es zu lernen, vielleicht bin ich anhaftend, vielleicht ein kleines bisschen. Ich habe euch gebeten ebenfalls zu lernen es zu lesen. Einige haben mich gehört, einige nicht.

Schüler: Nun, jetzt denke ich du hast recht, Sensei. Da ist ein großer Unterschied, wenn man es auf Japanisch sagt versus wenn man es auf Englisch sagt.

Ja, so ist es. Und wenn du wirklich wissen willst was genau die Worte bedeuten, kannst du immer noch ins Internet gehen und es raussuchen, und die Übersetzung wird da sein. 

Schüler: Danke, Sensei.


Schüler:  Sensei, eine zweiteilige Frage, gibt es eine dualistische Natur des Ki? Und der zweite Teil, wie füllt man Ki wieder auf? Wenn es in einem Individuum ein Ungleichgewicht gibt, wie korrigiert man dieses Ungleichgewicht? Absorbiert man es selbst, oder treibt man es heraus?

Okay, wow, lass uns das eins nach dem anderen angehen. Deine erste Frage ist „Gibt es relatives Ki?“

Schüler:  Ja, ich meine gibt es eine dualistische Natur des Ki?

Ja, relativ, dualistisch, ist das gleiche. Nun, es kommt auf deine Perspektive an, nicht wahr? Ja, wenn alles was du siehst die relativen Zustände sind, dann siehst du negative und positive, und alles auf der Scala dazwischen. Also in diesem Sinne kannst du sagen, oh, es muss negatives Ki geben, wenn es positives Ki gibt. Als ich jünger war, habe ich mich mit dieser Frage wirklich endlos herumgequält. Jetzt schlage ich vor, dass das was wir als negatives Ki sehen im Grunde nur ein Missverständnis ist. 

Einfach ausgedrückt, wenn wir uns über jemanden ärgern, bedeutet dies, dass wir kurzzeitig den Weg verloren haben, das Wesen der das Leben einenden Prinzipien vergessen haben. Dies heißt, zumindest für den Moment, dass wir einfach missverstehen. 

Mal sehen ob ich meine Sichtweise klarer ausdrücken kann. Es scheint offensichtlich, wenn wir daran denken wie grausam wir zu anderen sein können, dass das Böse in bestimmten Menschen existiert, und ich denke das ist es was du mit „negativem Ki“ meinst. Mit Sicherheit nimmt es das Geschenk des Lebens, das uns allen gegeben wurde, und missbraucht es. Und es ist in Wahrheit einfach Ignoranz. Das ist das Missverständnis. Das Ki des Universums zu missbrauchen ist Ignoranz, genauso wie diesen Missbrauch als böse zu sehen. Was ich damit meine ist, dass negatives Ki kein Ding ist, sondern die Abwesenheit von etwas.  Ignoranz ist wie Dunkelheit. In der relativen Weltsicht gibt es Licht und es gibt Dunkelheit. Aber dies ist eine begrenzte Sichtweise. Dunkelheit ist kein Ding. Es ist die Abwesenheit von etwas. Du kannst sie nicht vertreiben. Das wäre Ignoranz schlechthin, nur noch mehr Dunkelheit. Du möchtest die Dunkelheit loswerden? Mach das Licht an! Mach das Licht an und da ist keine Dunkelheit… als wenn sie niemals dagewesen wäre. Sie verschwindet vollständig.

In diesem Fall bedeutet „Licht“ klar zu sehen, zu bemerken was tatsächlich vorgeht. 

Daher hilft es deine zweite Frage mit demselben Verständnis anzugehen. Du hast gefragt was man mit einem Ungleichgewicht tun soll. 

Es ist nicht so, dass es niemals eine Krankheit oder Verletzung gibt. Natürlich gibt es die. Wir alle erfahren das von Zeit zu Zeit. Und einige von uns wurden sogar mit körperlichen Problemen geboren. Wenn du Suzuki Sensei oder Tohei Sensei fragen würdest, so würden sie dir sagen: gebe den Ärtzen ihre Gebühren und lass sie dich heilen wenn sie meinen dass das nötig ist, aber leide nicht deswegen. Das ist Kiatsu. Wir alle werden mal krank. Mach es nicht noch schlimmer. Es gibt niemanden der rein genug wäre, so dass ein Virus ihn nicht attackieren würde. Also erwarte sowas nicht. Diese Möglichkeit existiert nicht, und deswegen ist es keine böse Sache, wenn du irgendein körperliches oder mentales Problem hast. Das ist eine natürliche Sache und es passiert uns allen. Wir sollten sehr vorsichtig sein, so etwas auch nur als „Ungleichgewicht“ zu bezeichnen.  

Natürlich, je öfter wir ins Dojo gehen und je mehr wir sitzen, umso mehr erfahren wir das universelle Glück, und vielleicht hast du dann ein neues Level an Fähigkeiten, um mit einem körperlichen oder einem chemischen Problem umzugehen, oder auch mit dem Verlust eines geliebten Menschen. Jedes davon könnte auch eine vernichtende Wirkung haben. Aber bei all dem müssen wir nicht notwendigerweise leiden. Es ist schmerzhaft, ja, aber Leiden ist extra, etwas was wir zum Schmerz hinzufügen. Wir müssen auf diesen Schmerz nicht reagieren, heißt wir müssen nicht leiden aufgrund des Schmerzes. 

Wir können Schmerz und Freuden nicht vermeiden, aber wir müssen deswegen nicht leiden, Schmerz kommt, Freude geht. Leiden ist eine Reaktion auf einen Zustand der bereits da ist. Das ist wie sich den Kopf über etwas zu zerbrechen das man sowieso nicht ändern kann. Nicht zu leiden bedeutet also den Onepoint zu bewahren. Den Onepoint zu bewahren heißt das Licht anzumachen, und dieses Licht mag auch zeigen, dass du ein sehr schmerzendes Knie, Kopf oder Herz hast. Das Licht kann sowas zeigen. Aber es beleuchtet auch das große Ganze. Und wenn du das große Ganze siehst, dann siehst du vielleicht auch, dass das was du da durchmachst eigentlich recht wichtig und notwendig ist, zur genau richtigen Zeit und auf die genau richtige Weise und genau so wie es dein spezieller Charakter braucht um aus dem Schlaf aufzuwachen, okay? Okay.


Schüler:  Also, Sensei, mir ist aufgefallen, dass wir am Anfang der Stunde meditieren um uns in den natürlichen Zustand des Loslassens zu bringen. Nun, ist es so, dass wir dieses Gewahrsein haben müssen, damit wir es transferieren können wenn wir dann anfangen die verschiedenen Trainingsformen zu üben, und das wird es uns dann einfacher erlauben, das Gewahrsein für eine Verbindung zwischen den Dingen und den Menschen zu haben?

Okay, ich muss schmunzeln, weil so wie du es ausdrückst klingt es wie „Okay, ich habe dieses Gewahrsein jetzt, und ich muss daran festhalten, durch die ganze Unterrichtsstunde hindurch.” Ich weiß was du damit meinst, und ja, natürlich, die ganze Idee ist schon die Einheit von Geist und Körper durchweg beizubehalten. Aber die Einheit von Geist und Körper beizubehalten bedeutet definitiv nicht, an etwas aus der Vergangenheit festzuhalten, oder etwas zu wiederholen das schon einmal da war, wir müssen also aufpassen, dass wir nicht versuchen ein Gefühl für die Zukunft aufzubewahren, um es woanders zu nutzen, weil es in diesem gegenwärtigen Moment keine Vergangenheit gibt. Da kann eine Idee aus der Vergangenheit sein, aber nun ist nur diese Realität hier und jetzt. Du kannst nicht etwas aus einer anderen Dimension nehmen, und dann versuchen es in den gegenwärtigen Moment hinein zu quetschen. 

Schüler: Ich sehe was du meinst, Sensei.

Ob wir Meditation, Dehnungen, Kiatsu, Waffen oder Sokushin no Gyo üben, es ist alles das gleiche. Es ist immer jetzt. Es ist immer hier. Immer sind wir vollkommen präsent. 

Also gut, Danke, euch allen.

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